Angeln mit Haken

Kaum ein Nahrungsmittel ist so sehr mit der japanischen Kultur verbunden wie der Fisch. Im Durchschnitt isst jeder Japaner rund 70 kg Fisch pro Jahr (der weltweite Durchschnitt liegt bei 16 kg). Doch die Liebe zum Fisch hat ihre Schattenseiten, denn viele der hier beliebten Sorten (z.B. der Blauflossen-Thunfisch) sind bereits seit Jahren gefährdet.

Während im Nordwest-Pazifik insgesamt noch große Mengen an Fisch gefangen werden können, sind die japanischen Küstengewässer bereits stark überfischt. Wir an Bord der Muktuk haben es mittlerweile aufgegeben, in Japan selbst zu angeln. Weder an der Schleppleine, noch vor Anker oder vom Beiboot aus hatten wir Erfolg. Nun bin ich bestimmt kein besonders professioneller Angler, aber in anderen Seegebieten wie Neuseeland, Alaska oder Mexiko konnten wir immer relativ mühelos unser Abendessen fangen. Aber hier in Japan: Fehlanzeige!

Der Fisch jedenfalls, den es in großer Auswahl und relativ günstig in den Supermärkten zu kaufen gibt, ist in den meisten Fällen importiert. Lachs aus Chile, Garnelen aus Ecuador, Gelbflossen-Thunfisch aus Argentinien oder China. Seit wir beim Einkauf genauer hinschauen und nur Fisch aus hiesigen Fanggebieten (oder aus lokaler Fischzucht) kaufen, ist unsere Sortenvielfalt deutlich geringer geworden.

Auch die Fangflotte Japans ist in den letzten Jahrzehnten geschrumpft, aber umfasst immer noch über 120.000 Boote, die meisten davon kleine, mit ein bis zwei Mann besetzte Küstenfischer. Wenn wir unterwegs sind, muss immer einer von uns sorgfältig Ausguck gehen, um nicht nur den Booten, sondern auch den gesetzten Reusen und Netzen auszuweichen.

Was uns aber am meisten erstaunt, ist die Leidenschaft der Japaner fürs Freizeit-Angeln. Keine Hafenmauer ist unbesetzt, auch nicht bei Sturm oder Regen. Kein Felsen im Wasser ist zu klein, als dass nicht ein paar Angler darauf säßen. Sie werden morgens mit kleinen Booten hingebracht und am Abend – mit oder ohne Fang – wieder abgeholt.

Wir sehen ständig Angler. Was wir selten sehen, sind Fische, die an den Angeln hängen. Ab und an mal eine Sardine, aber größere Fänge sind sehr selten. Das tut freilich der Leidenschaft fürs Angeln keinen Abbruch.

Wie bei allen Freizeitaktivitäten sind Japaner auch beim Angeln absolut professionell ausgerüstet: ein halbes Dutzend Angelruten, einige davon vier bis fünf Meter lang. Kescher und Netze, um die Sardine auch sicher zu bergen. Falt-Hocker und Falt-Tischchen. Eine kleine Kühltruhe zur Aufbewahrung (der Fische oder Getränke?). Eine große Schale mit Köder-Paste, die in regelmäßigen Abständen mit einer speziellen Wurfschaufel portionsweise ins Wasser geworfen wird. Und natürlich eine große Auswahl an Haken, Ködern und Schwimmern. Von unserer Beobachtung ausgehend wird es kaum ein Angler schaffen, im Laufe seines Lebens so viel Fisch zu fangen, dass der Gegenwert der Ausrüstung wieder hereinkommt. Aber darum geht es ja wohl auch nicht.

Der Fangerfolg scheint jedenfalls weniger von der Ausrüstung und Anstrengung des Anglers abzuhängen als man denkt. Als wir die drei Wochen coronabedingt am Schwimmsteg von Takakushi lagen, hörten wir eines Abends ein typisches Klappern an Deck. Ich ging hoch und brachte einen Hering mit herein, der – wohl auf der Flucht vor Raubfischen – aus dem Wasser gesprungen und dummerweise auf der Muktuk gelandet war. Zwei Tage später kamen auf dieselbe Weise noch einmal fünf weitere dazu, die ich vom Deck und vom Steg aufsammeln und zu Rollmops verarbeiten konnte. War das nun „selbstgefangen“? Aus der Sicht der Fische vielleicht.

Auf der Werft

20. – 27. November 2023

Mit der Werft haben wir einen neuen Termin ausgemacht und nun ist es soweit: wir machen die Leinen los und verabschieden uns vom Dörfchen Takakushi, wo wir die letzten drei Wochen am Steg lagen.

Am Nachmittag legen wir am Steg der Werft an. Kurz darauf kommt der Chef, Herr Urata, mit einem seiner Mitarbeiter. Wir besprechen, wann und wie die Muktuk am nächsten Tag aus dem Wasser gehoben werden soll. Wenn wir das Vorstag mit der Genua los machen, passt die Muktuk gut in den Lift, meint er.

Am nächsten Vormittag fahren wir rüber zum Becken, über dem der Travel-Lift schon bereit steht und daneben Herr Urata mit der Fernsteuerung um den Hals. Die Schlaufen werden an die richtigen Stellen gesetzt, Herr Urata stimmt sich mit seinen Arbeitern dabei ab und hebt schließlich die Muktuk langsam aus dem Wasser.

Wir staunen alle, was für einen dichten Algenpelz sich die Muktuk den Sommer über im Hafen zugelegt hat. Was man nicht sieht: unter den Algen verbergen sich hunderte kleiner Seepocken. Die Arbeiter stellen Muktuk auf Betonklötze und sichern sie seitlich mit Stützen ab. Jetzt muss alles schnell gehen. Zwei Arbeiter von der Werft helfen uns, den Bewuchs abzukratzen, denn sobald die Seepocken trocknen, lassen sie sich nicht mehr so einfach wegkriegen. Zuletzt holt einer der Arbeiter den Hochdruckreiniger und spritzt den feinen grünen Algenfilm ab, der sich unter den ganzen Bewuchs gelegt hat.

In den nächsten Tagen wird gestrichen: drei Lagen Antifouling für das Unterwasserschiff und zwei Lagen Lack oberhalb der Wasserlinie, damit die Muktuk wieder in ihrem schönen Rot leuchten kann. Auch die Schraube bekommt dieses Mal einen speziellen Anstrich.

Andreas ersetzt noch die Wellendichtung, die in den heißen Sommermonaten in Mexiko so spröde geworden war, dass sie nicht mehr richtig dicht hielt.
Wir haben Glück mit dem Wetter, es regnet nicht und nur an zwei Tagen bläst der Wind etwas heftiger, so dass ich aufpassen muss, dass mein Farbtopf nicht von einer heftigen Böe von der Leiter geweht wird und ich mit dazu.

Wir haben noch nie eine so ordentliche und saubere Werft gesehen. Da bekommen wir anfangs fast ein schlechtes Gewissen, dass wir den Betonboden ums Boot herum unweigerlich mit Farbkleksen verzieren. Aber bei genauerem Hinsehen entdecken wir bereits verblasste Spuren früherer Arbeiten…

Am letzten Tag auf der Werft müssen wir nur noch ein bisschen aufräumen. Die Sonne scheint und so beschließen wir, einen Spaziergang zu machen. Auf dem Weg kommen wir am Bauernmarkt vorbei, wo Obst, Gemüse, Reis und allerlei getrocknete und fermentierte Leckereien von Produzenten aus der Gegend angeboten werden. Und auch frischen Fisch, Krabben und Austern bekommt man, wenn man früh genug da ist.

Die meisten Bäume sind noch grün, dazwischen leuchten die rot gefärbten Blätter des Bergahorns mit den gelben Blättern der Ginkgo um die Wette.

Von Weitem sehen wir eine weiße Wolke hochsteigen. Ist es der Dampf einer heißen Quelle oder Rauch von verbranntem Holz? Als wir näher kommen, sehen wir einen Bauern, der das Reisstroh auf seinen Feldern kontrolliert abbrennen lässt.
Wir unterhalten uns ein bisschen mit ihm. Er führt uns zu seinem Auto, zeigt uns die Shiitake Pilze, die er aus dem Wald geholt hat und bedeutet uns, wir können gerne welche haben. Wir freuen uns sehr und packen eine Handvoll ein, nur mit Mühe können wir ihn davon abhalten, uns die ganze Tüte zu schenken!

Später zieht Andreas noch einmal los mit Kettensäge und Wägelchen, um Holz aus dem Wald zu holen. Anschließend hackt er die zugeschnittenen Hölzer in kleine Scheite, damit sie in unseren Ofen passen. Nachts wird es nun schon sehr kühl und wir brauchen Nachschub, um das Boot kuschelig warm zu halten.

Eingerahmt von zwei schicken Motorbooten wartet die Muktuk am Sonntag darauf, wieder ins Wasser zu kommen.

Am Montag in der Früh ist es dann soweit. Erst wird die Muktuk im Lift so hoch gehoben, dass wir ihren Schwenk-Kiel fast ganz herunter lassen können. Sie bleibt eine Weile so hängen, damit wir auch noch das letzte bisher unzugängliche Stück putzen und mit Antifouling streichen können.

Es ist jedes Mal wieder aufregend, wenn das Boot aus dem Wasser und wieder zurück gehoben wird, wenn die Schlaufen knarzen, sobald sie das gesamte Gewicht der 26 Tonnen tragen. Doch Herr Urata und seine Crew sind professionell und routiniert bei der Sache, alles klappt reibungslos und ohne Zwischenfälle.

An diesem Tag tuckern wir nur ein kurzes Stück weiter und werfen in der nächsten geschützten Bucht den Anker.

Quarantäne in Takakushi

01. – 20. November 2023

Drei volle Wochen liegen wir in Takakushi, sicher fest gemacht auf einer Seite des Schwimmstegs im Fischereihafen. Dieser Steg ist eigentlich für die Fischer gedacht, die schnell mal was ausladen wollen. Umso dankbarer sind wir, dass uns die Fischereigenossenschaft so lange hier bleiben lässt.

Wie überall auf der Welt ist ein Dorf ein Dorf und das bekommen wir in dieser Zeit auf sehr angenehme Weise zu spüren.

Gleich nachdem die beiden jungen Beamten vom Zoll weg sind, kommen zwei Männer vorbei: der stellvertretende Bürgermeister und der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins, wenn wir das richtig verstanden haben. Sie bringen uns eine prall gefüllte Tüte mit Obst und Gemüse und dazu zwei Portionen fertig gekochter Reis mit roten Bohnen und Kastanien.

Eine Woche später – wir sind immer noch in Quarantäne – schauen sie noch einmal bei uns vorbei und fragen, wie es uns geht und ob wir noch genügend zu Essen an Bord haben. Ich versichere ihnen, dass ich im Boot auch Brot backen könne und der Kühlschrank immer noch recht voll sei. Trotzdem kommt einer von ihnen am Nachmittag wieder und bringt uns Milch, Weißbrot, Mandarinen und Lutschbonbons.

Eine junge Frau kommt mit ihrer kleinen Tochter vorbei, sie ist gerade für eine Weile zu Besuch bei ihren Eltern und spricht fließend Englisch. Auch sie kommt später noch einmal und bringt uns ganz viele feine Bonbons, damit uns der Husten nicht mehr so plagen möge.

Als ich endlich nicht mehr positiv bin, kann ich einen ersten Spaziergang am Hafen entlang probieren. Ein Schild am Straßenrand bittet um Rücksicht auf die Älteren, die „silberne Generation“.

Ein anderes Schild am Hafen möchte die Kinder dazu anregen, keinen Müll zu hinterlassen aus Rücksicht auf die Fischer und das Meer.

Auf dem Rückweg winkt mir jemand zu – ich erkenne den stellvertretenden Bürgermeister, der uns so gut versorgt hatte. Er sitzt zusammen mit einem alten Ehepaar vor dessen Haus. Ich werde herzlich eingeladen, mit ihnen einen Grüntee zu trinken. So sitze ich eine Weile mit ihnen gemütlich in der Sonne und wir versuchen, mit meinem bisschen Japanisch und der Übersetzungs-App vom Mobiltelefon unsere jeweiligen Fragen zu beantworten. Und ich darf auch nicht heim gehen, ohne eine Tüte voll Mandarinen mitzunehmen, die es hier gerade in Hülle und Fülle gibt und die unglaublich gut schmecken, abgesehen davon, dass sie uns mit ganz viel Vitamin C versorgen.

Nach ein paar Tagen kann sich auch Andreas frei testen und wir nutzen das gute Wetter, um spazieren zu gehen, jeden Tag ein bisschen länger.

Das Dorf wirkt auf den ersten Blick sehr ruhig und verschlafen. Tagsüber sieht man fast nur ältere Leute, die in ihren Gärten arbeiten oder für kleinere Besorgungen mit einem Wägelchen unterwegs sind. Viele Häuser sind liebevoll gepflegt, daneben die Gemüsegärten mit Blumen, Rettichen und Kohl. Aber es gibt auch immer wieder Häuser, an denen sich das Grün bis zum Dach hochrankt und die zusehends verfallen. Überalterung und Stadtflucht machen sich auch hier bemerkbar.

Aber es passiert doch einiges: Eines Tages sehen wir ein Floß, das in der Nähe des Steges angebunden ist. Wenig später kommt ein LKW an, auf der offenen Tragefläche hat er eigenartige Bündel gestapelt. Es sind Schalen von Jakobsmuscheln, die aufgefädelt eine Art Zylinder bilden. Jeweils zwei solcher Zylinder sind zusammen gebunden. Der LKW wird entladen, teilweise werden die Muscheln auf andere, kleinere Fahrzeuge verladen, einige werden direkt an der Mole abgelegt. Nun sehen wir, wofür sie gebraucht werden: die Bündel werden am Floß mit Leinen angebunden, so dass sie in regelmäßigen Abständen im Wasser hängen. An ihnen sollen Austern wachsen, erklärt mir einer der Männer.

Gleich gegenüber an der Uferstraße befindet sich ein Laden mit Gebrauchtwaren, der sich über zwei Häuser erstreckt. Wenn man hinein geht, kann man sich leicht in dem Labyrinth aus Gängen und Räumen verirren, wäre da nicht der Inhaber, der mitkommt und den Weg weist. Zwischen den Kleidern, Büchern, Schirmen, Spielzeug, Geschirr und alten Elektrogeräten finden wir ein paar Sachen, die uns gefallen. Einen schönen alten Wasserkessel und kleine Keramikschalen.

Im oberen Stockwerk hat er ein paar Räume mit Antiquitäten eingerichtet, die Fotos über den schönen alten Möbeln sind Szenen aus japanischen Filmen der 1950er und 1960er Jahre.

Die Muktuk vom ersten Stock aus gesehen.

Auf einem unserer Spaziergänge entdecken wir ein Hinweisschild auf einen Wasserfall. Über eine Ader aus Basalt ergießt er sich in zwei Sturzbächen in ein Becken. Vor und neben dem Wasserfall sind viele unterschiedliche buddhistische Statuen aufgestellt. Die Legende erzählt davon, dass sich hier eine Prinzessin aus Kummer in die Tiefe gestürzt habe, weil ihr Mann in den Krieg gezogen war.

An einem anderen Tag begegnen wir einem Mann auf dem Fahrrad, der unterwegs zu seinen Feldern ist. Er steigt ab und fragt, ob wir die Leute von dem Boot im Hafen sind. Bevor er weiter fährt, greift er in seine Tasche und schenkt uns seine Mandarine, die er wohl zu seiner Jause mit dabei hatte. Später begegnen wir einer Frau, die uns fragt, ob wir nun wieder gesund sind. Ein paar Schritte weiter, am Hafen, sehen wir einen Fischer an den Salzwassertanks stehen, in denen Fische herum schwimmen. Wir unterhalten uns mit dem Mann, der sich sichtlich freut, sein Englisch an uns auszuprobieren. Und dann schenkt er uns einen Fisch, einfach so!

Wir gehen nun jeden zweiten Tag in den Onsen und genießen es, sauber geschrubbt in dem heißen Wasser zu liegen. Der Onsen ist sehr gut besucht und am Nachmittag treffe ich viele ältere Damen dort an, einige von ihnen jedes Mal wieder, sie scheinen den gleichen Rhythmus wie wir zu haben. Beim letzten Besuch verabschiede ich mich von einer der Damen – mit Händen und Füßen erkläre ich, dass wir am nächsten Tag weg fahren werden. Sie wünscht uns viel Glück und als wir gemeinsam raus gehen, läuft sie schnell zum Obststand im Onsen, kauft einen Beutel Mandarinen und drückt ihn uns in die Hand!

An unserem letzten Vormittag in Takakushi gehe ich noch einmal am Haus des Ehepaares vorbei, wo ich beim Grüntee saß. Da niemand da ist, lege ich eine Tüte mit den Nürnberger Lebkuchen als Dankeschön für ihre Einladung in den Korb vor ihrer Tür. Zwei Stunden später kommt die alte Dame zum Steg und bringt uns eine große Tasche mit Mandarinen und Kaki Früchten vorbei. Da möchte ich mich noch einmal revanchieren und packe ein Tütchen mit selbst gebackenen Keksen ein, das sie nur mit viel Überredungskunst meinerseits annehmen will.

Wir sind jedes Mal überwältigt von der Freundlichkeit und Fürsorge der Menschen hier, die sie auf diese ganz besondere Art und Weise zeigen!

Zwangspause

29. Oktober – 10. November

Weil unser Unterwasserschiff so stark bewachsen ist, dass wir uns nur mit Mühe fortbewegen können, wird es höchste Zeit, Muktuk aus dem Wasser zu nehmen, zu putzen und zu streichen. Wir haben mit der Werft den 1. November als Termin vereinbart und machen uns zwei Tage vorher auf den Weg, um gemütlich in die Gegend der Werft zu tuckern. Doch so gut unsere Pläne auch sein mögen, Corona macht uns wortwörtlich einen Strich durch die Rechnung.

Bereits am Vorabend der Abfahrt aus Karatsu fühlt sich Birgit angeschlagen, ihr Hals kratzt, sie hat Glieder- und Kopfschmerzen. Noch wissen wir aber nicht, was es ist. Während der Fahrt verschlechtert sich ihr Zustand, sie bleibt die meiste Zeit in der Koje und bekommt Fieber und Schüttelfrost. Wir erreichen ein kleines Fischerdorf mit einem großen Hafen und machen am Schwimmsteg fest. Wir haben Corona-Schnelltests an Bord, Birgit testet sich und ist positiv.

Wir geben in der Werft Bescheid, dass sich unser Termin wohl etwas verschieben wird. Mir geht es am nächsten Morgen noch immer gut, ich habe keine Symptome und gehe am Vormittag (natürlich mit Maske) bei schönstem Wetter durch den Ort spazieren. Es gibt hier sogar einen Onsen, aber natürlich können wir den jetzt nicht besuchen. Während ich fort bin, kommen Zollmitarbeiter an unseren Liegeplatz. Birgit erklärt ihnen die Situation und wir dürfen vorerst hier liegenbleiben.

Am Abend geht es dann auch bei mir los, ich habe die gleichen Symptome wie Birgit, nur jeweils zwei Tage zeitversetzt. Weil wir für die Werft zuvor groß eingekauft haben, haben wir für mindestens eine Woche Proviant und können uns an Bord isolieren.

Es ist eine lausige Krankheit! Obwohl wir beide je viermal geimpft sind, erwischt es uns ordentlich. Zwar gilt es natürlich immer noch als „leichter Verlauf“, schließlich müssen wir weder beatmet noch hospitalisiert werden, aber Fieber, Glieder- und Hautschmerzen, Halsweh (bei Birgit), Übelkeit und Durchfall (bei mir), beide husten um die Wette – wir sind völlig kaputt.

Die erste Woche haben wir wunderbares sonniges und warmes Herbstwetter, das wir allerdings nur durch die Fenster bewundern können. Dann schlägt das Wetter um, es stürmt und schüttet zwei Tage lang. Zum Glück liegen wir gut und sicher, und bisher hat noch keiner versucht, uns von hier zu verscheuchen. Doch trotz des relativ geschützten Liegeplatzes brechen in einer Nacht gleich drei Festmacherleinen, so sehr wirft es das Boot umeinander.

Der Wind lässt schneller nach als unsere Symptome, es geht nur in ganz keinen Schritten voran. Bei mir bleibt ein hartnäckiger Husten und nahezu völliger Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. An Werftarbeit ist auch nach über einer Woche nicht zu denken. Es dauert volle 14 Tage, bis der Test nicht mehr positiv anschlägt.

99 Inseln bei Sasebo

27./28. Oktober 2023

Als wir Fuminori im Juni auf Hirado trafen, erzählte er uns von der Schönheit des Nationalparks an der Küste von Sasebo und wollte uns diese Gegend unbedingt zeigen. Er ist dort aufgewachsen, hat später in Nagoya studiert und gearbeitet. Jetzt als Rentner lebt er nun wieder viele Wochen im Jahr in Sasebo, auf seinem Segelboot „Seeadler“.

Nun haben wir im Herbst endlich einen Termin für unseren Besuch gefunden. Wir lassen die Muktuk im sicheren Hafen von Karatsu und steigen früh morgens in den Bus nach Sasebo, wo uns Fuminori vom Busbahnhof abholt. Er hat ein umfangreiches Besuchsprogramm für uns zusammen gestellt. Erster Punkt auf der Liste ist das Marinemuseum. Sasebo war früher ein kleines Fischereidorf, bis die Kaiserliche Japanische Marine hier ihren größten Stützpunkt einrichtete. Die Vereinigten Staaten bombardierten im Zweiten Weltkrieg auch Sasebo, ein großer Teil der Stadt wurde zerstört. Die Hafenanlagen aber blieben verschont, denn die USA plante, den Hafen nach dem Krieg zu nutzen. Heute liegen hier die riesigen Kriegsschiffe der US-Marine und daneben, etwas kleiner, die der Japanischen Maritimen Selbstverteidigungsstreitkräfte.

Zuerst schauen wir uns einen Film über die vielfältigen Aufgaben der japanischen Marine an, bevor wir durch die Ausstellung gehen, die die Geschichte der japanischen Streitkräfte zur See präsentiert. Zuletzt setzt sich Andreas ans Ruder und steuert ein Kriegsschiff sicher aus dem Hafen von Sasebo hinaus aufs Meer – in einer Computersimulation. Mission erfüllt!

Danach fahren wir zur Pearl Sea Marina, dem Heimathafen von Fuminoris Boot. Dort sitzen wir an Deck, genießen die Sonne und essen lecker gebratenes Fleisch und Gemüse.

Es ist zu windig, um heute raus zu fahren, meint unser Gastgeber. Also werden wir am Nachmittag die Inseln erst einmal von oben bewundern. Mit seinem Auto fahren wir zum ersten Aussichtspunkt Tenkaiho. Gleich neben dem Parkplatz, noch bevor man den Berg hoch läuft, ist ein riesiges Blumenfeld angelegt, Tausende Cosmea blühen hier in allen Schattierungen von Rosa und Lila.

Oben auf der Aussichtsplattform ist es windig, aber die Sonne scheint und die Aussicht ist atemberaubend. Wir blicken auf das Archipel Kujukushima, was wörtlich übersetzt „99 Inseln“ heißt, aber eigentlich sind es mehr als doppelt so viele. Kujukushima ist Teil des Saikai-Nationalparks.

Und in diese kleine Inselgruppe können wir morgen mit dem Segelboot rein fahren.

Weiter geht es zum nächsten Aussichtspunkt namens Ishidake, wo wir einen etwas anderen Blickwinkel auf die Inseln und die Bucht von Sasebo haben. Im Gegenlicht sieht das Meer aus, als ob es versilbert worden wäre.

Zuletzt fahren wir einen dritten Berg hoch, zum Yumihari-no-Oka Hotel, das einen schönen Spa-Bereich hat. Frauen und Männer getrennt, genießen hier in ihrem jeweiligen Bereich ein heißes Bad mit Panoramablick.

Wir treffen uns auf der Terrasse des Hotels wieder. Auf der einen Seite kann man ganz gut den militärischen Bereich des Hafens erkennen.

Auf der anderen Seite erstreckt sich der Insel-Nationalpark und in der Ferne ist sogar schemenhaft die große Insel Hirado zu sehen, wo wir in diesem Sommer ein paar Tage verbracht hatten.

Wir bleiben auf der Terrasse, bis die Sonne untergegangen ist und machen gefühlt tausend Fotos.

Abends gehen wir in ein Fischlokal. Die Spezialität hier ist Sashimi von der frischen Jak-Makrele, die gerade noch im Bassin an der Theke herum geschwommen ist. Da wir nur einen Bruchteil der Gerichte auf der Speisekarte kennen, bestellt Fuminori für uns alle und so lernen wir an diesem Abend einige neue Speisen kennen.

Am nächsten Morgen machen wir nach dem Frühstück das Boot klar zum Auslaufen.

Fuminori kennt hier jeden Stein und jeden Felsen im Wasser. Als Jugendlicher, so erzählt er, hat er oft mit einem Freund ein Fischerboot gemietet und ist zum Angeln raus gefahren.

Der Wind passt und wir können eine Runde segeln, bevor wir uns in die Inselwelt hinein wagen. Wir tuckern durch einen engen Pass und biegen drei Mal um die Ecke, dann sind wir am Ziel. Wir machen das Boot an zwei Bojen längsseits fest und den Motor aus.

Ein idyllisches Plätzchen, eine himmlische Ruhe, die nur einmal ganz kurz unterbrochen wird, als das große Ausflugsschiff auftaucht.

Fuminori mit der Flagge der japanischen Marine, die er am Vortag im Museumsladen gekauft hat.

Andreas hatte im Boot ein Go Spiel entdeckt und war begeistert, als Fuminori sagte, er würde selbst regelmäßig spielen. So verabreden sich die beiden auf eine Partie am späten Vormittag.

Go spielen an einem der schönsten Ankerplätze der Welt!

Wir sind dankbar, dass uns Fuminori diese wunderbare Ecke seiner Heimat gezeigt hat! Und es war schön, zur Abwechslung auf einem Boot zu Gast zu sein und keine Verantwortung tragen zu müssen.

 

Holperiger Start

23. Oktober 2023

Am Montagmorgen geht es endlich los. Die Sonne scheint auf das spiegelglatte Hafenbecken, es ist windstill. Da Muktuks Bug zu Land hin zeigt, will ich mit dem Bugstrahlruder das Boot um knapp 180° drehen, um aus dem Becken heraus und zum Tanksteg fahren zu können. Sie beginnt sich auch brav zu drehen, aber als ich die Maschine einkupple, um Vorwärtsfahrt zu machen, passiert nichts. Mehr Gas – immer noch nichts! Was ist denn jetzt los?

Wir driften zurück an den Steg und machen erst einmal wieder fest. Getriebeschaden? Gebrochener Schaltzug? Es scheint aber alles in Ordnung zu sein: wenn ich einkupple, dreht sich die Welle, bei mehr Gas sehen wir Schraubenwasser am Heck – alles wie es sein soll. Hmm…

Zweiter Versuch. Unter Maschine bewegt sich Muktuk doch, allerdings nur ganz gemächlich. Auf dem Weg zum Tanksteg gebe ich Vollgas, dennoch erreichen wir mit Müh und Not eine Geschwindigkeit von einem Knoten. So wird das nichts mit der kurzen Strecke von 20 sm, die wir für heute vorhaben.

Die Erklärung: nachdem Muktuk fast vier Monate lang bewegungslos in warmem Wasser lag, haben sich so viele Muscheln am Propeller festgesetzt, dass wir damit zwar das Wasser hinterm Boot durchquirlen, aber praktisch keinen Vortrieb erzeugen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mit Kratzwerkzeug bewaffnet im Hafenbecken tauchen zu gehen, um den Propeller wenigstens grob vom Bewuchs zu befreien. Die Biester sind verdammt hart, und ich brauche etwa eine Stunde, bis die Propellerblätter auf ihrer Vorder- und Rückseite freiliegen. Danach bin ich sehr froh über die heiße Dusche in der Marina, um sowohl den Hafendreck als auch das Zittern loszuwerden.

(Kleiner Vorgriff: ein paar Wochen später machen wir auf der Werft dieses Bild, als die Muktuk aus dem Wasser gehoben wird. Kein Wunder also!)

Das Tauchen und Kratzen hat sich jedenfalls gelohnt. Zwar sind wir immer noch langsam, aber knapp vier Knoten schaffen wir jetzt unter Maschine, und damit können wir unseren Ankerplatz erreichen, wo wir uns ein paar Tage lang von der Hektik der Großstadt erholen wollen.

Laternenfest in Fukuoka

21. Oktober 2023

Nach dreineinhalb Monaten Deutschland sind wir zurück an Bord. Die Segel sind angeschlagen, Proviant ist eingekauft, die letzten Segnungen der Großstadt Fukuoka mit Museums- und Konzertbesuchen genossen. Bald geht es wieder auf See. Aber heute Abend müssen wir noch einmal in die Stadt zum jährlichen Laternenfest…








Hakata Gion Festival Fukuoka

01. – 15. Juli 2023

Die Sommermonate in Japan sind dicht gepackt mit Festen und Umzügen. Auch Fukuoka hat ein solches Festival, das „Hakata Gion Yamasaka“.
Bei diesem Fest wird an den buddhistischen Mönch Seiichi Kokushi gedacht, der vor über 770 Jahren die Straßen der Stadt mit geweihtem Wasser reinigte, um damit die Ausbreitung einer Epidemie einzudämmen. Ironie der Geschichte – in den vergangenen drei Jahren konnte das Festival wegen der Pandemie nicht oder nur mit hohen Auflagen stattfinden. In diesem Jahr, 2023, darf es nun wieder ganz ohne Einschränkungen gefeiert werden, den Reinigungsritualen dieses Festes kommt nun eine neue Bedeutung zu.

Die einzelnen Stadtviertel von Fukuokas Innenstadt Hakata bauen jedes Jahr einen Festwagen (Kakiyama), der mit Figuren und allerlei Schmuck ausgestattet ist, so dass man die dicken Holzbalken fast gar nicht mehr sehen kann.
Solch ein Wagen hat allerdings keine Räder. Er muss, um bewegt zu werden, von mehreren Männern getragen werden. Und der Wagen ist schwer, rund zwei Tonnen wiegt er. Die Männer wechseln sich ständig ab, denn selbst die stärksten von ihnen schaffen es nur ungefähr 3-4 Minuten am Stück zu tragen. Allein dieses Wechseln während der Wagen in Bewegung bleibt, ist eine so komplizierte Angelegenheit, dass man dafür jahrelang trainieren muss.

Auf dem Wagen vorne und hinten sitzen jeweils 3 Männer, die mit roten Stäben eine Art Takt vorgeben und den Wechsel der Träger dirigieren. Andere Männer, die vor oder neben dem Wagen laufen, sind für die Richtung zuständig.
Es ist ein ständiges Gewusel um den Wagen herum, wenn dieser in Bewegung ist, kaum ist einer ein paar Schritte als Träger gelaufen, wird er schon abgelöst. Alles geht so schnell, dass es für mein ungeübtes Auge gar nicht erkennbar ist, was und wie da alles innerhalb von wenigen Sekunden stattfindet.

Jeder einzelne Festwagen wird von einer großen Schar von Kindern, Jugendlichen und Männern allen Alters begleitet. (Vereinzelt sieht man auch ein Mädchen mitlaufen, Frauen dagegen keine.) Manche von ihnen tragen Banner oder Holztafeln mit Inschriften. Und alle rufen, während sie laufen: „Oissa, oissa!“

Auch ganz kleine Kinder sind schon mit dabei, an der Hand des Vaters oder Opas rennen sie tapfer mit.

Die traditionelle Kleidung der Männer besteht aus einem Oberteil ganz in Weiß oder mit dunkelblauem Webmuster. Ansonsten sehen sie ziemlich nackt aus, sie tragen eine Bauchbinde und dazu einen kunstvoll gebundenen Lendenschurz, der aber den Po größtenteils frei lässt. An den Füßen tragen sie schwarze Zehensocken. Die unterschiedlich bunten gedrehten Kopfbänder zeigen, welche Funktion der jeweilige Träger hat und auf welcher Stufe er in der strengen Hierarchie steht. Viele Männer haben zudem eine Schlinge aus Hanf im Gürtel stecken. Diese Schlinge wird beim Tragen des Festwagens um den Holzbalken gewunden.

Anfang Juli werden diese Festwägen in den jeweiligen Stadtteilen in einem großen Zelt aufgestellt, wo Tag und Nacht Männer in der traditionellen Tracht Wache halten. Zwei Wochen lang finden nun fast täglich Umzüge statt, bei denen die einzelnen Gruppen weiterhin an der Technik des Tragens feilen. Auch werden verschiedene Zeremonien abgehalten, Reinigungsrituale sind in dieser Zeit sehr wichtig. Unter anderem versammeln sich die jeweiligen Gruppen am Strand, wo die Männer Sand einsammeln, den sie dann an verschiedenen Orten der Stadt verstreuen.

Höhepunkt des Festes ist der große Umzug am 15. Juli, der am Kushido Schrein beginnt. Um 3.00 Uhr nachts sind alle Gruppen mit ihrem Wagen dort versammelt. Pünktlich um 4.59 Uhr zieht der erste Wagen los, die anderen folgen im Abstand von 10 Minuten. Alle 8 Gruppen , so viele sind es in diesem Jahr, müssen eine Strecke von 5 km durchhalten!
Diesen letzten Umzug kann ich nicht anschauen, an dem Tag müssen wir für unsere Abreise packen. Aber drei Tage vorher, am Donnerstag nachmittags, findet ein Übungslauf statt. Rechtzeitig zum Beginn stehe ich an der Straße im Zentrum von Hakata und höre schon von Weitem die „oissa, oissa!“ Rufe.

Polizei und ehrenamtliche Ordner sorgen dafür, dass die Straße frei bleibt.

Hier haben sich die professionellen Fotografen an einem strategisch günstigen Platz aufgestellt, an einer Kreuzung, wo der Umzug um die Ecke weiter zieht. So können sie das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln aufnehmen.

Die Regenzeit ist fast vorbei, der Himmel ist trotzdem meistens grau verhangen. Es ist heiß und unglaublich schwül, dadurch ist die Hitze noch schwerer zu ertragen. Am Straßenrand stehen ältere Männer, auch sie in der traditionellen Tracht. Sie schöpfen mit Eimern Wasser aus bereit stehenden Tanks und schütten in regelmäßigen Abständen Wasser auf die Läufer. Eigentlich ist es ein Reinigungsritual in Erinnerung an den buddhistischen Mönch, aber die Läufer sind dankbar für jede Abkühlung.

Das ganze Festival ist geprägt von Teamwork, ohne die Zusammenarbeit der Bewohner der einzelnen Stadtteile ist es nicht möglich, zwei Wochen lang eine solch aufwendige Organisation zu stemmen.

Bei diesem Festival gibt es keinen Wettbewerb, welches Team den schönsten Wagenschmuck hat, oder wer die Strecken am schnellsten bewältigt. Es kommt viel mehr darauf an, dass so viele Menschen wie möglich mitmachen können und alle als gut eingespieltes Team miteinander arbeiten. Wichtig ist ihnen allen, diese kollektive Anstrengung den Göttern im Kushida Schrein darzubringen.

Am Ende des Umzugs wird der Wagen zurück ins Zelt gebracht. Hier folgt eine kurze Abschlusszeremonie mit einer Ansprache, dann klatschen alle gleichzeitig zwei Mal in die Hände und verbeugen sich.

Im Video kann man sehen, in welchem Tempo so ein Festwagen durch die Straßen getragen wird.

Fukuoka

01. – 16. Juli 2023

Wir haben unser vorläufiges Ziel erreicht und die Muktuk in der Marinoa Marina in Fukuoka festgemacht. Hier bleibt sie den Sommer über, während wir für eine Weile nach Deutschland zurück fliegen.
Nachdem wir so viel Zeit in Kleinstädten, Dörfern und auf Inseln verbracht haben, ist Fukuoka ein ziemlicher Kulturschock. Eine lebhafte Großstadt erwartet uns, mit riesigen Einkaufsmeilen, Museen, Konzerthallen, Hochhäusern und mit vielen jungen Menschen und erstaunlich vielen Kindern. Fukuoka ist eine der wenigen Großstädte Japans, die trotz der Überalterung des Landes immer noch wächst.

Abends ist in der Innenstadt viel los, selbst unter der Woche. Eine Besonderheit Fukuokas sind die vielen Straßenstände, an denen man eng beieinander sitzt und in fröhlicher Runde isst und trinkt.

Taiko – Trommeln

Es zieht uns aber noch einmal raus aus der Stadt. Zufällig hatten wir zwei Wochen zuvor ein Plakat gesehen, das eine Aufführung mit den Taiko-Trommeln ankündigte. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Das Konzert findet am Samstagnachmittag in einem Kulturzentrum irgendwo auf dem Land zwischen Karatsu und Fukuoka statt, glücklicherweise auch mit dem Zug gut erreichbar. Es ist die jährliche Aufführung zweier lokaler Trommel-Schulen, wie wir aus dem Programmheft erfahren. Das Publikum besteht, so scheint uns, überwiegend aus Eltern, Großeltern und Freunden.

Zuerst treten die jüngsten Trommler auf, Mädchen und Jungen gemischt, alle im Grundschulalter zwischen sechs und zehn Jahren. Das jüngste Kindchen steht in der Mitte, mit einer blauen Latzhose bekleidet und trommelt genauso konzentriert wie alle anderen auf der Bühne. Ich schätze die Kleine auf nicht älter als fünf Jahre! Einmal fällt ihr ein Stock aus der Hand. Sie hebt ihn auf, schaut auf die anderen Kinder und reiht sich wieder in den Rhythmus ein. Ich bin begeistert und beeindruckt, mit welcher Präzision die Kinder ihre Stücke aufführen.

Auch die anderen Gruppen mit älteren Kindern bzw. Jugendlichen zeigen ihr Können. In gemischten Kombinationen, ältere und jüngere gemeinsam, führen sie die Stücke auf. Konzentrierte Gesichter und vielfach Erleichterung am Ende, dass alles gut geklappt hat.

Nach der Pause dürfen die Jüngeren ausruhen und sitzen mit uns im Saal. Die Kleinste schläft vor Erschöpfung ein.

Nun werden die Gruppen der jungen Erwachsenen von einem Flötenspieler begleitet, der zwischendurch auch eine der großen Trommeln bearbeitet. Er ist ganz offensichtlich ein Publikumsliebling, denn zwischen den Stücken, wenn auf der Bühne umgebaut wird, spricht er lange und die Zuhörer hängen begeistert an seinen Lippen. Nur verstehen wir leider gar nichts.

Als die Besucher aus dem Saal strömen, stehen alle Trommlerinnen und Trommler Spalier und freuen sich über die Glückwünsche des Publikums! Eine schöne Stimmung!

Hier sind Ausschnitte des Konzertes zu sehen. Am besten einen Kopfhörer an den Rechner, das Tablet oder Handy anstecken, so kommen die tiefen Töne der Trommeln richtig gut zur Geltung.

Yobuko

24. Juni 2023

Yobuko, gerade mal ein paar Seemeilen von Karatsu entfernt, ist für seinen „morning market“ berühmt. Angeblich Japans drittgrößter Markt dieser Art, hat er jeden Tag außer am 1. Januar immer von 7:30 bis gegen Mittag geöffnet.

Das Spektakel ist auf eine ca. 200 Meter lange Einkaufsstraße begrenzt, an der sich ein Stand mit Leckereien an den anderen reiht. Überall gibt es Getier aus dem Meer, frisch von der Fischereiflotte angeliefert und in verschiedenen Stadien der Zubereitung: von roh über getrocknet, mariniert bis zu essfertig gegrillt, gebraten oder frittiert.

Aber auch abgesehen vom morning market ist Yobuko für seinen Tintenfisch von besonderer Frische und Geschmack bekannt. Die wohl berühmteste Zubereitung ist „ikizukuri“, eine Art Sashimi, bei der der noch lebende Tintenfisch so schnell ausgenommen und aufgeschnitten wird, dass er noch lebend serviert werden kann. Ganz so weit ging unsere Liebe zur japanischen Küche dann aber doch nicht, das haben wir nicht ausprobiert.

Den Trocknungsprozess des „normalen“ Tintenfischs kann man im ganzen Ort bewundern. Überall flattern die hellweißen Tintenfische an der frischen Luft. Oft mit Wedeln bewacht, um die Fliegen abzuwehren, oft auch in Karussells im Kreis geschleudert, denn auch dann haben die Fliegen keine Chance. Größere Raubtiere können sich dennoch mal ein Stückchen Tentakel ergattern.

Doch in Yobuko wurden nicht immer nur kleine Fische gefangen. Einige Gebäude sind aus der Zeit erhalten geblieben, als Yobuko ein prosperierender Walfang-Ort war. Das lokale Walfang-Museum zeigt Gerätschaften und Bilder aus dieser Zeit.