Waitangi Treaty Ground

Bucht

(23. Januar 2017)

Gegenüber von Russell befindet sich der „Waitangi Treaty Ground“ – Geschichte pur! Hier wurde sie buchstäblich geschrieben: Durch den „Waitangi Treaty“, den Vertrag von Waitangi von 1840 wurde Neuseeland zu einer britischen Kolonie. Aber schön der Reihe nach:

Zehn Jahre zuvor hatte die britische Krone noch wenig Interesse an Neuseeland, dann aber erschien ein französisches Kriegsschiff in der Bay of Islands, es gab kriegerische Konflikte innerhalb der Maori-Stämme, aber auch welche zwischen den Einwanderern, den „Pakehas“, und den Maori, so dass gleichermaßen Maori und Missionare in Großbritannien um Hilfe in einer von Gesetzlosigkeit geprägten Region ansuchten.

James Busby wurde ausgesandt, um britische Präsenz zu zeigen, hatte aber keinerlei rechtliche Befugnisse und auch keinerlei militärische Unterstützung. Er schien allerdings ein guter Vermittler gewesen zu sein, schaltete sich mäßigend in die Konflikte ein und schaffte es sogar, zahlreiche Maori-Häuptlinge der Region um 1935 zu einer gemeinsamen Erklärung der Unabhängigkeit Neuseelands zu bewegen. Auch eine gemeinsame Flagge der vereinigten Maori-Stämme wurde entworfen.

Anfang 1840 erreichte William Hobson als Abgesandter von Königin Victoria Neuseeland und setzte zusammen mit James Busby einen Vertragsentwurf auf, der wenige Tage später einer Versammlung von Maori-Chiefs vorgelegt werden sollte. Die Fassung in englischer Sprache unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der Fassung in Maori – entweder weil die beiden Übersetzer nur wenig Zeit dafür hatten, oder aber glaubten, einige Formulierungen verändern und abmildern zu müssen, weil sonst die Maori-Chiefs nicht unterschreiben würden. Denn mit diesem Vertrag begaben sie sich nicht nur unter den Schutz von Königin Victoria, sie traten ihre Souveränität weitestgehend an Großbritannien ab. Auch gab und gibt es immer noch eine unterschiedliche Auffassung über Landbesitz. Die Maori glauben, dass Mutter Erde die darauf wohnenden Menschen „in Besitz“ nimmt und nicht umgekehrt. Zudem verwalten und bearbeiten die Maori auch heute noch Grundbesitz gemeinschaftlich als Großfamilie bzw. Stamm.

Am 5. Februar 1840 versammelten sich die Briten, einige Siedler und rund 500 Maori vor dem Haus von James Busby und die Chiefs begannen mit den Verhandlungen. Nach nur einem Tag unterzeichneten bereits die ersten Häuptlinge den Vertrag, allerdings ohne dessen wahre Tragweite zu verstehen, im Vertrauen auf die mündlich zugesicherten Landrechte. Das Vertragsdokument wurde in mehreren Ausfertigungen durch ganz Neuseeland versandt, bis hinunter zur Südinsel, nicht alle, aber doch die Mehrheit der Maori-Chiefs setzten ihre Unterschrift darunter.

In den folgenden Jahrzehnten verstärkte sich die Macht der Pakehas, der Weißen, weitere Erlasse unterstützen und vereinfachten die Möglichkeiten, den Maori Land weit unter Wert abzukaufen, zu enteignen oder sie aus manchmal recht nichtigen Gründen zu vertreiben. Erst weit über hundert Jahre später wurde versucht, das begangene Unrecht wieder gut zu machen, das zum wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Niedergang der Maori geführt hatte. Dem Vertrag sollte wieder seine ursprüngliche Bedeutung zurück geben werden: 1975 wurde ein Tribunal eingerichtet, wo Verstöße gegen den Vertrag von Waitangi vorgetragen werden können.

Außerdem einigte sich 2008 die Regierung Neuseelands mit Vertretern von 20 Stämmen über eine Wiedergutmachung, in Form von Ländereien und Geld, insgesamt rund 500 Millionen NZ$.

Das neue Museum auf dem Treaty Ground, letztes Jahr erst eröffnet, erzählt diese Geschichten ausführlich, von der Besiedlung Neuseelands durch die Maori, die Ankunft der ersten europäischen Segelschiffe, bis in die heutige Zeit: Ausstellungsobjekte klassisch in Vitrinen ausgestellt, Portraits der Protagonisten, die Vertragsdokumente von 1840, Pläne, Fotos, und daneben viele anregende multimediale Präsentationen. Die erklärenden Texte sind in Englisch und Maori.

Museum

Ein schönes kleines Museum, mit modernem Ausstellungsdesign und sehr informativ. Es hat uns gut gefallen!

Auch das ganze Gelände ist sehenswert, schöne Wiesen, ein Wald dazu, der aufgeforstet wurde. Der Besucherweg führt an drei reich verzierten Kanus vorbei, eines davon misst 35 m, ist aus drei Kauri-Stämmen gehauen und braucht 80 Ruderer, um bewegt zu werden! Das Haus von James Busby ist schön renoviert worden, man auf der Anhöhe einen herrlichen Blick auf die Bucht, davor steht ein hoher, weithin sichtbarer Fahnenmast mit der Flagge Großbritanniens oben und darunter jene von Neuseeland und den vereinten Maori-Stämmen.

Holzkopf

Nur einige Schritte weiter befindet sich ein Begegnungshaus der Maori, Te Whare Runanga, mit schönen Schnitzereien. Hier konnten wir auf dem Platz vor dem Haus eine Vorführung des traditionellen Begrüßungszeremoniells erleben und drinnen ein paar schöne Tänze sehen, alles von einer jungen begeisternden Truppe vorgeführt.

Maoritanz

Wir haben viel gelernt an diesem Tag über die junge, wechselvolle Geschichte Neuseelands.

Der 6. Februar ist ein wichtiges Datum der neuseeländischen Geschichte und hat inzwischen den Status eines Nationalfeiertages erreicht. An diesem Tag wird auf dem Treaty Ground gefeiert, ein großes Volksfest für alle, freier Eintritt, die Kanus werden zu Wasser gelassen. Wie schade, dass wir nicht so lange bleiben können…

Russel – Kororāreka

(21. Januar 2017)

Die Bay of Islands hat einige historisch bedeutsame Orte für Neuseeland zu bieten. Russell beispielsweise, war der erste Ort, in dem die europäischen Einwanderer sich niederließen. Kororāreka –Wie süß schmeckt der Pinguin – heißt der Ort in der Sprache der Maori. „Korora“ nennen sie den blauen Pinguin der am Eingang der Bay of Island lebt und „reka“ bedeutet süß.

KissenPingu

James Cook berichtete über den sicheren Hafen in dieser Ecke, und so zog es zu Beginn des 19. Jahrhunderts Walfänger, erste Handelsboote, ehemalige Sträflinge aus Australien und Missionare hierher. Es muss zu der Zeit ein ziemlich heißes und gefährliches Pflaster gewesen sein, Kneipen rund um die Uhr geöffnet, eine rechtsfreie Zone.

Heute ist es ein schmuckes kleines Dorf, die Uferpromenade könnte als Filmkulisse eines Badeortes um 1900 durchgehen, viktorianische Holzhäuser mit allerlei Holzschnitzereien verziert, überall Blumen in den Gärten. Tagsüber bringt eine Personenfähre stündlich Touristen von Paihia herüber, die fröhlich entspannt durch den Ort laufen. Das „Duke of Marlborough Hotel“ ist das älteste Neuseelands, hier und in weiteren Lokalen kann man lecker essen gehen oder in einem der netten Cafés einen guten Kaffee trinken, mit Blick aufs Meer.

Polizeistation

In Russell befindet sich auch die älteste Kirche Neuseeland, die Christ Church, ein einfacher heller Holzbau, mit einem kleinen Friedhof drum herum. In der Kirche auf den Holzbänken liegen dicht an dicht Sitzkissen, bestickt mit allerlei Motiven, Segelboote, Pinguine, Blumen… viele schon ausgebleicht und abgewetzt, aber immer noch hübsch anzusehen.

Christchurch

KissenWal

Russell war auch die erste Hauptstadt Neuseelands, wenn auch nur für wenige Jahre, bevor der Gouverneur nach Wellington umzog. Das kleine Museum mit vielen ortskundlichen Exponaten berichtet in einer Sonderausstellung davon. Auch im Museum zu sehen ist ein im Maßstab 1:5 nachgebautes Modell von James Cooks erstem Boot, der „Endeavour“.

Museum
Eingang zum Museumsgarten

Walfett
Kessel, in denen Walfett gekocht wurde

Auf dem Rückweg zum Russel Yacht Club, eine Bucht weiter, wo unser Dinghi liegt, entdecken wir einen „communal garden“, eine freundliche Dame erklärt uns das Prinzip: jeder kann hier Beete anlegen und etwas anpflanzen, pflegen und ernten. Viele der Segler in der Bucht, die den Sommer hier verbringen, würden sich daran beteiligen. Auch wir könnten etwas Unkraut jäten oder gießen und dürften uns dafür etwas mitnehmen. Gesagt, getan, die Pflanzen können Wasser gebrauchen in dieser trockenen Zeit, und anschließend pflücken wir einen Strauß voller Kräuter, Pfefferminze, Rosmarin, Petersilie…

Garten1

Hundertwasser in Kawakawa

Öffentliche Toiletten gibt es in Neuseeland überall in jeder noch so kleinen Ortschaft, sauber und in Ordnung gehalten. Eine davon hat sich zu einem Touristenmagnet entwickelt: die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa.
Friedensreich Hundertwasser in Neuseeland? Für Fans des Architekten sicher keine Neuigkeit. Hier, auf der Nordinsel, im „Northland“, verbrachte er die letzten 25 Jahre seines Lebens. Und hier gibt es diese kleine architektonische Seltenheit, von ihm konzipiert und gebaut. Gleichzeitig auch sein letztes Projekt, bevor er im Jahr 2000 starb. Hundertwasser, heiß geliebt oder polemisch bekämpft… wie auch immer, die reich verzierten Bauten von Hundertwasser locken überall auf der Welt Touristen an.
In Kawakawa ist eigentlich nicht viel los, es hat nur diese Attraktion zu bieten. Kleine Imbisse und Läden mit Kunsthandwerk, Postkarten und Krimskram haben sich auf den täglichen Ansturm der Touristen eingerichtet, die mit Reisebussen oder eigenem Auto anreisen. Am späten Nachmittag versinkt der Ort dann wieder in seine gewohnte Ruhe…
Sogar ein Flyer wurde eigens für diese Toilette gedruckt! Dieser verweist auch auf die Stiftung, die Hundertwassers Vermächtnis verwalten möchte, u.a. seine ökologischen Ideen, seine Verbundenheit mit der Natur und den Menschen in Kawakawa.
Kawa2

Kawa3

Back Home

neueSegel

Das lief ja mal richtig wie am Schnürchen. Kaum waren wir in Neuseeland angekommen, wurden die neuen Segel, die wir im Oktober bei RollyTasker in Thailand bestellt hatten, in der Marina angeliefert. Vier Segel, zwei Pakete, 50 Kilo. Und sie passen alle! Weil der Wind an unserem Liegeplatz aus der falschen Richtung kam, hat es ein Weilchen gedauert, bis wir sie alle anschlagen konnten, aber jetzt warten sie eingerollt bzw. aufgetucht auf ihren ersten Einsatz.

Segel

Die alten Segel haben wir aus Platzgründen von Bord gegeben, das alte Groß zerschnitten für ein paar Flicken (man weiß ja nie), die beiden kleinen Vorsegel haben auf der Yacht „Val“ von Nick und Barbara eine neue Heimat gefunden.

???????????????????????????????

Auch die neue Ankerwinsch ist fertig montiert, sie funkelt wie ein Juwel und schnurrt wie ein Kätzchen. Nach dem Gerumpel der alten Winsch eine echte Erholung.

Winsch

Und weil alles so reibungslos geklappt hat, konnten wir nach fünf Tagen die Marina verlassen und zwei Meilen in die nächste Bucht tuckern. Es wurde wirklich Zeit, mal wieder auf solche Unannehmlichkeiten wie warme Duschen, guten Kaffee, Waschmaschinen und Supermärkte zu verzichten. Nach drei Monaten mit relativ festem Boden unter den Füßen (zwei Monate an Land, ein Monat in der Marina) müssen uns allerdings erst einmal neue Seebeine wachsen.

???????????????????????????????

Jetzt liegen wir jetzt vor Russell, der alten Hauptstadt Neuseelands. An Deck haben wir alles festgezurrt, denn wir erwarten Starkwind heute Nacht. Die Front eines Tiefs überquert Northland, angesagt sind bis zu 8 Bft Wind. Aber die Bucht sieht gut geschützt aus, und so sind wir nicht allzu sehr beunruhigt.

24 Stunden später weht es nur noch mit 6 Bft, den Sturm haben wir gut überstanden. Außer einem nach schlafloser Nacht recht müden Skipper und einer etwas mitgenommenen Flagge keine Schäden. An dieses Wetter werden wir uns in Neuseeland wohl gewöhnen müssen.

Flagge2

Flagge1

Opua – Paihia

baumrotDie freundliche Dame vom „General Store“, dem kleinen Supermarkt in Opua, drückt uns eine Karte in die Hand und zeigt uns, wo der Fußweg nach Paihia entlang führt, zum nächstgrößeren Ort. Immer am Ufer entlang, es sei ganz einfach.

Mit Regenjacke im Rucksack und festen Schuhen stiefeln wir los, aber wir haben Glück, den ganzen Tag scheint die Sonne! Es ist eine Freude, nach so vielen Tagen auf See mal wieder ein, zwei Stunden lang nur zu gehen, sich zu bewegen.
aussicht1Und das in einer so malerisch schönen Gegend: auf der einen Seite das Wasser, auf der anderen Seite das satte Grün. So viele neue unbekannte Blumen, Sträucher und Bäume entdecken wir am Wegrand, ab und zu sehen wir auch bekannte Pflanzen, Gänseblümchen, Schafgarbe, die wahrscheinlich von den Europäern hierher gebracht wurden. Beeindruckend sind auch die vielen Farnbäume mit ihren „fiddle-heads“, den schönen schneckenförmigen Blättern, die sich noch auffächern müssen.fiddlehead

farnbaum1

blume2

???????????????????????????????

blumen1Es ist ein leichter Weg, mal eine kleine Steigung, ein herrlicher Blick auf die Buchten von oben, dann geht es wieder runter zum Ufer, erst kommt ein schöner Strand voller Austernmuscheln, dann noch einer. Viel Wald, Wiesen, Ferienhäuser, ein kleiner Campingplatz mit jungen Leuten, die Kricket spielen, später unterhalten wir uns mit einer Maori-Familie, die Netze im Wasser ausgelegt hat und schon einen ganzen Eimer voller Fische beisammen hat.???????????????????????????????Eine Handvoll Salat fürs Abendessen…

Der Weg ist gut ausgeschildert, immer mal wieder gibt es Übersichtspläne zur Orientierung. Die Bohlenwege zwischen den Mangroven sind mit dünnen Metallgittern ausgelegt, damit man bei Regen und Nässe nicht ausrutschen kann. Und es gibt, nach langer Zeit mal wieder, Gebots- und Verbotsschilder…schild

In Paihia selber ist es trubelig, Ferienstimmung, ein verlängertes Wochenende, der Montag ist Feiertag, „Labor day“ und in Neuseeland das erste lange Wochenende mit schönem Wetter. Die Leute laufen in T-Shirts, Sommerkleidern und Flip Flops herum, haben aber sicherheitshalber die Daunenweste mit dabei…

Wir lassen uns von der Stimmung anstecken, bummeln durch den Ort, ein uriger Pub mit Tischen draußen in der Sonne, wir setzen uns hin und schauen den Möwen zu, die vom Nebentisch die Reste klauen, bevor der Kellner zum Abräumen kommt.
???????????????????????????????

Eisdiele, Buchhandlung, Supermarkt, schwer beladen mit unseren Einkäufen stehen wir später an der Straße nach Opua und halten den Daumen raus.

Kia ora! Hello, how are you?

???????????????????????????????

Als wir in die Bay of Islands hinein segelten, empfing uns ein unglaublich intensiver Duft, eine Mischung aus gemähter Wiese, süßlich wie ein blühendes Rapsfeld, nasser Wald und Kuhmist – Frühling in Neuseeland!

Eine verzweigte Fjordlandschaft, überall Segelboote, die vor Anker oder an Bojen schaukeln. Das Land alles in allem Grün, etwas felsig, manchmal ein kleiner Strand, viel Wald, ein paar Felder, dazwischen Häuser.

???????????????????????????????

Seit zwölf Tagen liegen wir nun in der Marina von Opua: immer noch glücklich, dass wir die lange Strecke durch den Pazifik geschafft haben und froh darüber, in Neuseeland zu sein. Es gefällt uns so gut hier!

Opua ist eigentlich ein kleines Dorf mit einer Marina, die momentan durch Ausbauten ihre Liegeplätze verdoppelt. Um die Marina herum haben sich etliche Handwerksbetriebe angesiedelt, zwei gut sortierte Läden für Bootsbedarf, eine Werft. Dazu ein gemütlicher Yachtclub für abends auf ein Bierchen oder ein leckeres Abendessen, ein genauso gemütliches Café mit sehr gutem Kaffee für tagsüber, ein kleiner Supermarkt mit frischem Brot und Croissants in der Früh. Was will man mehr? Vielleicht einen Bus zum nächst größeren Ort? Demnächst, wenn der große Pulk der Segler von Tonga und Fidschi hier ankommen wird.

???????????????????????????????

Denn ohne Auto ist man hier begraben. Aber „hitchhiking“, per Anhalter fahren, ist kein Problem und man lernt auf diese Art viele nette Leute kennen.

Sonnenhungrige und urlaubsreife Leser mögen diesen Abschnitt bitte überspringen:

Wir haben frühlingshaftes Wetter, tagsüber in der Sonne ist es angenehm warm, abends braucht man Pullover und Jacke, in der Koje dicke Decken, hin und wieder ziehen Regenschauer über uns hinweg. Nach fast zwei Jahren mit der Muktuk in den Tropen bei 30-35°C im Schatten ist es herrlich, wieder gemäßigte Temperaturen und Jahreszeiten zu haben. Wir können wieder normal arbeiten und sind nicht bereits nach 2-3 Stunden kaputt und wir können nachts besser schlafen, fühlen uns trotz dem Mehr an Arbeit viel fitter.

???????????????????????????????

Ja, die Arbeitsliste ist sehr lang und es gibt viel zu tun. Trotzdem haben wir keinen Stress, hier gibt es eigentlich alles, was man braucht: einfach in einen der beiden Läden marschieren und schauen, meistens haben sie die Schrauben, Farben, Pinsel, Winschen, 3Farben-Laternen und was nicht mehr vorrätig. Und wenn nicht, so können diese bestellt werden und sind innerhalb von zwei Tagen da!

Nur unsere Ankerwinsch ist noch nicht da. Eigentlich schon, von Europa nach Neuseeland brauchte sie nämlich nur 3 Tage. Aber vom Zoll zu uns, das dauert… Bruce von der Firma Seapower, der die neuen Löcher sägen und die alten dafür zu schweißen soll, ruft dort täglich an, und unterhält sich freundlich mit der jeweiligen Sachbearbeiterin, bei der die Ankerwinsch gerade in Bearbeitung ist. Ja, vielleicht wird sie morgen frei gegeben? Mal sehen.

segelmessen

Neue Segel sind fällig, bevor wir die Bestellung aufgeben, müssen die alten genau ausgemessen werden. Am besten geht das auf dem großen Parkplatz vor der Marina am Sonntag Nachmittag, da ist viel Platz, um die Segel auszubreiten.

Die Neuseeländer, die wir bisher getroffen haben, sind alle so offen und freundlich und sehr witzig. Wir müssen uns allerdings noch etwas an die ungewohnte Aussprache gewöhnen und fragen öfters mal nach. Jede Begrüßung beginnt mit „Hello, how are you?“ Diese Höflichkeiten müssen ausgetauscht werden, bevor man das Gespräch beginnt bzw. seine Frage loswerden möchte. Auch daran müssen wir uns gewöhnen, aber das tun wir gerne…

Ankunft in Neuseeland

Geschafft. Knapp 9000 Seemeilen liegen seit Panama hinter uns, das ist erst einmal genug für dieses Jahr. Vor den letzten 1300 Seemeilen von Tonga bis Opua im Norden der Nordinsel Neuseelands hat man als Segler ziemlich Respekt. Grund dafür sind die Sturmtiefs, die in halbwegs regelmäßigen Abständen von 7-10 Tagen über die Nordinsel ziehen und denen man nicht immer ausweichen kann.

schnell

Wir haben mit den Tiefs Glück gehabt, mehr als 6 Windstärken waren es nicht. Allerdings haben wir für die letzten 300 Meilen fast sechs Tage gebraucht, denn da hat der Wind immer gegenan geblasen. Um durch zu motoren hatten wir nicht mehr genug Diesel, und aufkreuzen dauert nun einmal lang. Insgesamt waren wir 16 Tage unterwegs. Auf dem Weg wurde es von Tag zu Tag kälter, wir packten Socken, Unterwäsche, Jeans und Pullover aus, die seit März in den Schränken zuhause waren. Dazu Ölzeug und Gummistiefel, ganz ungewohnt. Die Wassertemperatur sank von anfangs 25°C auf 15°C, was bei der täglichen Kübeldusche durchaus zu bemerken war. Brrrr!

???????????????????????????????

Arbeit gab es auch genug unterwegs. Im Großsegel löste sich eine Naht auf, der obere Teil flatterte frei und war mit dem unteren Rest des Segels nur noch am Vorliek verbunden. Wir konnten das Segel aber herunterbekommen und in einer Schwachwindphase nähen und wieder setzen. Im Segelnähen haben wir jetzt wirklich genug Erfahrung.

Um unseren Dieselvorrat einteilen zu können, wollte ich dann eine Verbrauchsmessung durchführen. Bisher rechnen wir immer mit einem groben Schätzwert, aber ich wollte genauer wissen, bei welcher Drehzahl wie viel verbraucht wird, auch um zu wissen, mit welcher Drehzahl man am weitesten pro Liter kommt. Wir haben zwei komplett getrennte Dieselleitungen, eine aus dem Steuerbordtank über den Steuerbord-Vorfilter, und das gleiche noch einmal an der Backbordseite.

Gefahren sind wir mit der Steuerbordseite der Leitungen, und in die mit Sperrhähnen abgeschlossene Backbordseite habe ich einen Messbehälter vorbereitet, aus dem die abgemessene Dieselmenge gezogen wird. Jetzt muss ich nur auf die Backbordseite umstellen und kann sehen, wie viel wir verbrauchen. Bevor ich das aber machen konnte, blieb der Motor stehen. Huch?

Es stellte sich heraus, dass der backbordseitige Absperrhahn defekt ist und auch in geschlossener Stellung offen bleibt. So hat die Dieselzufuhr beim Basteln meiner Verbrauchsmess-Einrichtung Luft gezogen und ich musste über drei Stunden im Maschinenraum verbringen, bis ich das Problem gefunden hatte und alle Zufuhrleitungen wieder mit Diesel statt mit Luft gefüllt waren. Die paar Minuten fürs Entlüften des Motors fielen dann kaum mehr ins Gewicht. Jetzt haben wir also einen Eintrag mehr auf der Arbeitsliste: Absperrhahn auswechseln und Dieselleitungen so umbauen, dass das Entlüften in Zukunft schneller geht.

???????????????????????????????

Jedenfalls waren wir dann am 20. Oktober am Abend mit letztem Büchsenlicht in Opua an der Quarantäne-Pier. Da muss man nämlich darauf warten, dass nicht nur der Zoll, sondern vor allem der Quarantäne-Offizier kommt und einem die „biosecurity clearance“ erteilt. Dafür muss man alles abgeben, was als Risiko-Lebensmittel zählt: frisches Obst und Gemüse, Körner, Bohnen, Honig, und vor allem alle selbst eingemachten Fleischkonserven. Unser gutes Schweinegulasch aus Tahiti, unser Sugo aus Panama, ach…

Vier große Müllsäcke voll Essen haben sie von Bord getragen. Unsere Wasserlinie dürfte sich messbar gehoben haben. Nachdem er dann das 37ste Fach mit Lebensmitteln kontrolliert hatte, meinte der Offizier, für ein Boot dieser Größe hätten wir eine Rekordmenge an Essen an Bord. Na ja, kein Wunder bei einer Siebenbürgerin als Proviantmeister.

flatter

Ankerbuchten und Wale

wal

Irgendwann wollen auch wir Wale sehen. Hier in der ruhigen geschützten Inselwelt von Vava‘u tummeln sich die Buckelwale. Es ist ihre Kinderstube, sie kommen jedes Jahr aus der Antarktis hierher, um ihre Jungen zu gebären, zu säugen und zu erziehen, so dass sie fit sind für die lange Reise zurück in die Antarktis. Dort futtern sie sich wieder Speck an und los geht es, zurück nach Vava’u.

Wir haben Glück und sehen schon bald eine kleine Gruppe von Weitem blasen, zwei Boote mit Touristen ganz in der Nähe, es wird Schwimmen mit Walen angeboten. Erst einmal aber suchen wir die „Mariner’s Cave“, eine berühmte Höhle, in die man nur hinein gelangen kann, wenn man einen vier Meter langen Tunnel zwei Meter unter Wasser entlang taucht. Wir haben zwar die Koordinaten, aber der Zugang ist für uns nicht zu sehen. Doch dann hält ein Boot mit Tauchern und ihrem Führer davor an, und Andreas kann mit der Gruppe mit schwimmen. Ich bleibe auf der Muktuk und treibe, denn ankern kann man davor nicht, es ist viel zu tief. Andreas kommt begeistert zurück, ein einmaliges Erlebnis!

Wir fahren ein bisschen näher an die Walgruppe heran und freuen uns am Anblick ihrer schönen schwarzen Rücken und der gewaltigen Flossen, die sie bei ihren Sprüngen zeigen, bevor sie weiter ziehen und wir die Segel wieder setzen und zu unserer Ankerbucht in der Lagune von Honga zu fahren. Dort bleiben wir einige Tage, es ist windstill drinnen, ruhig und nachts können wir ohne Streulicht vom Land die Milchstraße und Millionen von Sternen bewundern.

???????????????????????????????

Auf der Insel gegenüber haben sich Elke und Werner niedergelassen, Land gepachtet, ein Haus gebaut und einen schönen Garten angelegt, ehemalige Langzeitsegler, der Trans-Ocean-Stützpunkt von Tonga. Wir besuchen sie in ihrem kleinen Paradies und machen einen Spaziergang über die Insel.

???????????????????????????????
Einheimischer Garten mit hohen Yamsgewächsen

???????????????????????????????
Yams, die noch eingegraben werden sollen

Ein paar Ankerbuchten weiter in der schönen Inselwelt treffen wir David und seine Frau Hika, drei ihrer elf Kinder leben noch mit ihnen auf ihrer kleinen Insel, die anderen sind schon aus dem Haus bzw. in der Schule in Nuku’alofa. Als sie hören, dass wir aus Deutschland sind, freuen sie sich sehr, denn Davids Urgroßvater war ein Deutscher, der sich lange vor dem 2. Weltkrieg auf Tonga niedergelassen hatte, die Insel für 150 Jahre gepachtet und mit dem Anbau von Kopra begonnen hatte. David nennt uns seinen Nachnamen, Woolfgramm, die tonganische Version von Wolfgang oder Wolfram?

Hika und David sichern sich ihr Einkommen, indem sie u.a. für die Segler am Samstag Abend ein Fest vorbereiten und kochen. Auch wir wollen mit dabei sein und sehen, dass im Laufe des Tages sich die Bucht mit immer mehr Booten füllt: Abends finden sich insgesamt 34 Segler zusammen. Ein Spanferkel wird am Spieß gedreht, Hika und ihre große Tochter Andrea bringen eine Schüssel nach der anderen auf den Tisch, Fischgerichte, Fleischgerichte, Salate, gekochte Süsskartoffeln und Yamswurzeln, es schmeckt alles ganz köstlich! So gut haben wir schon lange nicht mehr auswärts gegessen. Es ist ein wunderschöner stimmungsvoller Abend und wir sind, wie immer, die letzten Gäste und unterhalten uns noch lange mit Hika und David.

???????????????????????????????

„Nofo a“ – auf Wiedersehen und wir kommen gerne wieder!

Sonntag in Tonga…

???????????????????????????????

… ist ein absoluter Ruhetag und Familientag zugleich. Es darf unter keinen Umständen gearbeitet werden und auch die Segler werden allenthalben gebeten, an diesem Tag auf sichtbare Arbeiten zu verzichten. Lediglich die Hotels und Resorts für die Touristen sind aktiv und geöffnet. Um 10.00h beginnt überall der Gottesdienst und danach setzen sich die Familien zusammen zum „Sunday feast“, in kleineren Gemeinden kommen sogar alle zusammen und es wird reihum gekocht.
Die überwiegende Mehrheit der Tonganer gehören der Free Wesleyan Church, der Katholischen Kirche oder der Free Church of Tonga an.
Wir suchen uns für den Besuch des Gottesdienstes am Sonntag die große katholische Kirche in Neiafu aus. Die Kirche ist voll besetzt, später Kommende werden von einem Art Platzanweiser verteilt.
Die Ministranten, in Weiß und mit einer hellen Bastmatte umwickelt gehen hinter dem Priester nach Vorne, die Gemeinde beginnt zu singen und der Raum ist schlagartig erfüllt mit klangvollen Stimmen. Der Kirchenchor sitzt in den ersten 10 Reihen auf der linken Seite, davor steht der Dirigent, ihm zur Seite steht ein kleiner Junge auf der Bank, vielleicht 8 Jahre alt, der begeistert mit dirigiert. Die meisten Lieder singen alle auswendig mit, auch die Vielstimmigkeit kommt nicht nur vom Kirchenchor.
Wir verstehen nicht viel, außer einem Bibeltext, der auf Englisch vorgelesen wird, wird der ganze Gottesdienst in tonganischer Sprache abgehalten. Dafür habe ich umso mehr Muße auf die Musik zu achten oder mir die festliche Kleidung der Menschen anzuschauen. Die Frauen tragen alle schöne Kleider, dazu entweder eine Bastmatte oder einen geflochtenen Gürtel, von dem kunstvoll gehäkelte Blumenstreifen herunterhängen. Die Männer haben alle ein dunkles Hemd an, dazu eine feine Hose oder einen dunklen Rock und ebenfalls eine Bastmatte umgebunden. Die Bastmatten sind eine Augenweide, manche ganz einfach, andere wiederum mit schönen Mustern, teilweise farblich abgesetzt.
Nach der Kirche klickt unser Fotoapparat, und auf meine Frage, ob ich ein Foto machen darf, wird jedesmal freudig gelächelt und zugestimmt.

???????????????????????????????

img_1614

???????????????????????????????

???????????????????????????????

???????????????????????????????

Ene’io Botanical Garden

bucht Auf Vava’u herrscht momentan ein Benzin-Notstand, die Tankstellen sind geschlossen. Im Cruisers-Net am Morgen wird täglich darüber berichtet, ob und wann das Versorgungsschiff Fidschi verlassen habe, es wird wild spekuliert, wann es hier ankommen würde. Trotzdem bekommen wir einen kleinen Mietwagen für einen Tag und fahren in der Früh als erstes zum Botanischen Garten an der Südspitze der Hauptinsel. Dort haben wir uns für 10.00h zu einer Führung angemeldet. Haniteli Fa’anunu, der Besitzer, begrüßt und beide ganz herzlich, wir sind an diesem Tag die einzigen Besucher. Erst einmal setzen wir uns an einen Tisch in seinem Restaurant mit dem herrlichen Blick auf die Ene’io-Bucht und er beginnt zu erzählen. haniteli Bei der Landreform in den 50er Jahren erhielt jeder Mann in Tonga ein Stück Land. Als achter Sohn der Familie fiel für seinen Vater das damals unattraktivste Stück Land ab, das am Strand lag. Darauf pflanzte sein Vater die vorgeschriebenen 54 Kokospalmen. Haniteli konnte als junger Mann mit Hilfe von Stipendien aufs College gehen und anschließend in Hawaii Agrarwissenschaften studieren. Später arbeitete er in Nuku’alofa im Landwirtschaftsministerium und baute im Laufe der Jahre mit Hilfe seines Vaters nach und nach den Garten auf. Nun ist er schon länger im Ruhestand und kann sich zusammen mit seiner Frau um alles kümmern. Im Botanischen Garten wuchert es üppig, hohe Kokospalmen, viele verschiedene Bäume, blühende Sträucher, Gräser, dazwischen Wege angelegt. Haniteli hat Schilder mit ausführlichen Infos anfertigen lassen, und er kann zu jeder Pflanze kenntnisreich erzählen, wo sie her kommt, wofür sie verwendet wird, wie sie in seinen Garten gelangt ist, dazwischen streut er Geschichten über Tonga ein, über berühmte Besucher wie z.B. Mel Gibsons Sohn, Mitglieder der Königsfamilie oder ein Team von National Geographic. beschrift1 beschrift3 hibiskus Nach zwei Stunden schwirrt uns der Kopf vor lauter Namen und es ist Zeit fürs Mittagessen. „Fish and chips“ mit Süßkartoffeln, leckeren Saucen, Salat und dazu weiteren unterhaltsamen Gesprächen mit Haniteli. Ein schöner und spannender Vormittag war das! buntstrauch ??????????????????????????????? aussicht Wir fahren weiter, die Karte der Insel hat ein paar Aussichtspunkte verzeichnet, zu denen wir noch hin wollen, es ist ein herrlich sonniger Tag. In einem Dorf sehen wir ganz viele Menschen um ein Haus herum im Schatten beisammen sitzen und singen, Autos halten an, noch mehr Leute steigen aus und gehen zum Haus, auch wir halten an und fragen, was mitten in der Woche an einem Nachmittag da los ist. Eine 80jährige Frau ist in der Nacht verstorben und nun versammeln sich Verwandte und Freunde zur Trauerfeier. Sie tragen alle Schwarz und die geflochtene Matte wie eine Art Rock mit einem ebenfalls geflochtenen Gürtel um die Hüften gebunden. Wir werden freundlich eingeladen, uns dazu zu setzen. Die Frau, neben der wir sitzen, fragt uns sogleich, woher wir kommen, wie es uns auf Tonga gefällt, und sie erzählt uns, dass ein paar Stunden lang zu Ehren der  Verstorbenen gesungen wird, bevor sie beerdigt wird. Es ist ihre Tante, und sie trägt die Matte fast bis zu den Schultern hoch gezogen: je näher der Verwandtschaft, umso höher wird die Matte getragen. trauerfeier Diese Freundlichkeit und unbefangene Herzlichkeit der Menschen ist überall auf Tonga zu spüren, unterwegs wird uns zu gewunken, jeder hat ein Lächeln im Gesicht, auf der Straße werden wir fast immer gegrüßt, „Hello, how are you?“, „Thank you, fine“.