Nelson

28. April – 2. Mai 2017

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„Yeah! The best kept secret of New Zealand!“ – das am besten gehütete Geheimnis, das hörten wir ein paar Mal als Bestätigung, als wir in Nelson mit Leuten sprachen und ihnen sagten, wie gut uns ihre Stadt gefällt.

Nachdem unser Dinghi weg geschwommen war, mussten wir in die Marina an den Steg. Zu Fuß übers Wasser laufen, das können nur Auserwählte. Aber das war gar nicht so schlimm, gab es doch zur Abwechslung mal warme Duschen und Waschmaschinen mit Trocknern dazu, was wir ausgiebig nutzten. Und ins Zentrum von Nelson ist es nur ein Spaziergang von 10-15min, an der langgezogenen Marina und dem Fluss entlang und durch einen hübschen Park.

Von Touristen überlaufen ist der Ort nicht, das stimmt. Und dabei er hat so viele schöne Ecken zu bieten, viele Parks, eine städtische Kunstgalerie: die Suter Art Gallery, ein Kino in einem schönen Art-Deco-Gebäude, die große öffentliche Bibliothek, die sogar am Sonntag geöffnet hat, Glasbläser, Töpfer und Juweliere bieten in schönen Läden ihre Kunstwerke an. Für ein Theaterfestival wird geworben.

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Und es gibt den berühmten Farmers Market am Samstag, den schon Camilla und Prinz Charles bei Ihrer letzten Tour in Neuseeland besuchten, wie die Webseite stolz berichtet. Auf einem großen Gelände mitten in der Stadt, an Werktagen ein Parkplatz, stehen dicht an dicht die Stände mit Kunsthandwerk, Schokolade, lokal geröstetem Kaffee, für Permakultur wird geworben, dazwischen Obst und Gemüse, drei Bäcker konkurrieren mit Ciabatta und Vollkornbrot um die Kundschaft, ein deutscher Metzger, wo eine junge Frau in breitestem Bayerisch an der Theke bedient und daneben eine lange Schlange am Grill wartet, wo es frische Bratwürste im der Semmel gibt. Unser Einkaufswägelchen ist schnell gefüllt, so viele frische und gute Sachen gibt es nicht immer.

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Am Sonntag findet an gleicher Stelle ein Flohmarkt statt und auch sonst hat fast jedes zweite Geschäft im Zentrum auf und die Cafés und Lokale sowieso. Eine gemütliche Stimmung herrscht in der Stadt, herbstlich klares Licht, die Leute sitzen draußen an den Tischen in der Sonne.

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Neben dem vielen immergrünen Laub sieht man ab und zu einen rot-gelb gefärbten Baum im Herbstkleid. Am Ende der Hauptstraße führt eine große Treppe zur Kathedrale hoch, die zwischen den hoch gewachsenen Bäumen kaum zu erkennen ist. Im Inneren besticht die Mischung aus Stein und hölzerner Decke. Schlicht in der Ornamentik, es ist schließlich eine anglikanische Kirche, hat sie doch einen großen angelegten Chorraum mit einer riesigen Orgel an der Seite. Leider ist es der letzte Sonntag der Osterferien, so dass das regelmäßige Chorkonzert am Nachmittag ausfällt. Aber ja, wir wollen gerne irgendwann wieder kommen und vielleicht haben wir dann Glück, die Sänger von „Evensong“ mit ihren gregorianischen anmutenden Gesängen zu hören.

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„Yeah!“ – das kommt in fast jedem Satz vor. Nur wird es hier in NZ nicht, wie man meinen würde, in amerikanischer Manier ausgesprochen. Es klingt anders, eher wie“ jiiiieh“. Vor allem auf der Südinsel wird das „i“ nochmal stärker gedehnt eingesetzt. Wir haben uns anstecken lassen und mal schauen, ob wir nach einem Jahr wie ein echter „Kiwi“ klingen, wenn wir „Yeah!“ sagen…

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Tasman Bay

26.-29. April und 2./3. Mai 2017

Code0

In zwei Tagen schaffen wir die Strecke von Greymouth bis zur Tasman Bay, der Wind schiebt uns gemütlich voran, der neue Code0, unser Leichtwindsegel, zeigt, was er kann. Bis auch er anfängt zu flappen und wir den Motor anwerfen müssen für die letzten Meilen zur Nordküste der Südinsel.

Namensgeber der großen geschwungenen Bucht ist Abel Tasman, ein Niederländer, der von Indonesien her mit zwei Schiffen kommend, Neuseeland im Jahr 1642 als erster Europäer gesichtet und nach einer niederländischen Provinz benannte: Nieuw Zeeland. Er ankerte hier, betrat aber nie das Land. Ein Ruderboot der Maori näherte sich ihnen und leider lief die Begrüßungszeremonie schief, Maori und Europäer deuteten die jeweiligen Gesten und Rituale falsch, so dass in der darauffolgenden Auseinandersetzung vier Männer starben und Abel Tasman wieder davon zog.

James Cook hatte 125 Jahre später mehr Glück…

Wasser

Heute bietet sich ein ganz anderes Bild – wir tuckern in die Tasman Bay bei fast spiegelglattem Wasser, sehen überall kleine Sandstrände. Wanderhütten oder ein bis zwei Häusern stehen am Ufer, dahinter dicht bewachsene Hügel. Große und kleinere Ausflugsboote fahren die kleinen Buchten ab, Lautsprecher schallen. Dazwischen sausen Wassertaxis, die die Touristen zum Wandern oder Kajakfahren bringen und wieder abholen. Der Abel-Tasman-Nationalpark und der gleichnamige lange Wanderweg, der an der Küste entlang führt, ziehen viele Urlauber an. Abends wird es ruhiger und wir teilen uns die Ankerbucht mit zwei bis drei Segelbooten.

Felsen

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Wir fahren mit dem Dinghi herum und versuchen unser Anglerglück, aber es knabbern nur kleine Fische unseren Köder ab und nirgends ist ein großer Fisch, der sich überreden ließe, auf den Haken zu beißen. Dafür finden wir auf den Felsen ein paar der grünschwarzen Miesmuscheln fürs erste Mittagessen, die sich im Meer der blauschwarzen Muscheln verstecken. Später sehen wir Rochen im Wasser schwimmen, einer davon ist im Durchmesser fast größer als unser Dinghi.

Muscheln

Wir verlegen am nächsten Tag das Boot auf einen anderen Ankerplatz bei Adele Island. Dort gibt es eine große Sandbank, die bei Niedrigwasser trocken fällt und wo man nach Muscheln graben kann, nach den köstlichen „Pipi“, wie sie auf Maori heißen.

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Tagsüber spielt hier eine Rasselbande von 5-6 kleinen Pelzrobben, übermütige Strolche sind sie, neugierig und unerschrocken. Mit großen Kulleraugen und winzigen abstehenden Ohren kommen sie auf uns zu, der orangene Eimer gefällt ihnen sehr. Im nächsten Moment aber sind sie schon wieder abgelenkt, stupsen sie sich gegenseitig an, kämpfen spielerisch miteinander und sobald einer in Richtung Wasser watschelt, hüpfen die anderen hinter ihm her – und weiter ziehen sie am Ufer entlang.

Doch nun wollen wir weiter nach Nelson. Auf dem Rückweg werden wir noch einmal hierher kommen und den kleinen Strolchen noch einmal Hallo sagen.

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Bye bye Dinghy

obst

So viele Jahre lang hat es uns treue Dienste geleistet. Es war uns nicht nur Personenfähre, sondern auch Lastkahn für Supermarkteinkaufsorgien, Obst und Gemüse, Holztransporter, Wassertanker, Waschsalon, Taxi, Angelplattform, Schnorchelbegleiter. Und jetzt ist es weg.

segel

Es war nur eine kurze Strecke von 20 sm, die wir von der Ankerbucht nach Nelson fahren wollten. Wind war nicht viel vorhergesagt, und so nahmen wir das Dinghy nicht, wie sonst auf längeren Strecken, an Deck, sondern schleppten es hinterher. Eine fatale Fehleinschätzung, denn bald briste es auf, die See nahm zu, und als wir in den flachen Teil der Bucht vor der Einfahrt nach Nelson kamen, wurden die Wellen immer steiler. Schließlich brach die Schleppleine.

Doch wir konnten noch wenden, fingen es mit dem Bootshaken ein, brachten eine Ersatzleine an und konnten es wieder anbinden. Zum Hochnehmen war die See zu rau. Eine halbe Stunde noch bis zur Hafeneinfahrt. Doch das war zu lang. Mitten in der engen Einfahrt, ein paar Minuten bevor wir ins ruhige Wasser kamen, kenterte das Dinghy zunächst, dann schwammen die Riemen davon, dann brach auch die neue Schleppleine. Ein weiterer Bergeversuch war uns in der Situation zu gefährlich, zumal wir das auf dem Kopf schwimmende Dinghy mit dem Bootshaken nicht hätten fassen können. Mit dem Tidenstrom von über 2 Knoten trieb es auf die See hinaus, während wir in den geschützten Hafen fuhren.

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Vier Tage lang hofften wir, dass es irgendwo an Land gespült und dem Hafenmeister gemeldet wird, ich charterte sogar ein Boot und klapperte damit die wahrscheinlichen Fundorte ab, aber alles vergeblich.

vollwasser

Zugegeben, wir haben das Dinghy oft genug verflucht. Einfach weil es unglaublich schwer war und zu zweit nur mühsam an Deck zu hieven und ins Wasser zu lassen war. Auch beim Strandspaziergang mühten wir uns immer ab, das Ding an Land zu ziehen. Aber es war eben auch unglaublich stabil, konnte fünf bis sechs Personen transportieren, war robust und solide.

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Zum Glück fanden wir in Nelson gleich zwei Kandidaten für ein neues Dinghy, entschieden haben wir uns für ein „Seabird“, einen Klassiker neuseeländischer Produktion, aus Glasfaser und Kauri-Holz. Es sieht hübsch aus, wiegt etwa die Hälfte unseres alten Dinghys, und jetzt müssen wir uns erst einmal an das doch deutlich wackeligere Gefühl im Beiboot gewöhnen. Das passende T-Shirt dazu haben wir schon.

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Und Euer Motor?

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Die erste Frage war es meistens nicht. Aber nachdem das Woher, Wohin und Wie lange schon geklärt war, kam jedesmal unweigerlich die Frage: „und welchen Motor habt ihr?“

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Wir sind in Greymouth, einem kleinen Ort an der Westküste der Südinsel. Gegründet im Goldrausch Ende des 19 Jahrhunderts, werden heutzutage die Fischerboote im Hafen immer weniger, die Hotels und Restaurants verfallen, trotzdem ist es angeblich der größte Ort der Westküste. Aber das Städtchen hat ungeheuren Charme, den Charakter eines norddeutschen Fischerdorfs und unglaublich nette und hilfsbereite Einwohner.

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Befreundete neuseeländische Segler hatten uns eigentlich abgeraten, Greymouth anzulaufen. Auch in den Revierführern für Segler wird der Hafen nicht beschrieben. Grund dafür ist die Einfahrt in eine Flussmündung, die bereits bei Schwell von 2 bis 3 Metern eine gefährliche Brandung an der Barre erzeugt. Ein Monument am Wellenbrecher erinnert an die Boote, die hier gestrandet und die Fischer, die hier ums Leben gekommen sind. Aber bei ruhigen Bedingungen sind Ein- und Ausfahrt ungefährlich, und weil wir Diesel bunkern mussten, haben wir uns entschieden, es zu versuchen. Und es ging auch alles unproblematisch. Allerdings kann man die Frage nach dem Motor durchaus nachvollziehen, denn ohne eine zuverlässige Maschine wird man dort leicht zum Spielball der Wellen.

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Jedenfalls verirren sich so wenige Yachten hierher, dass wir sogar von einem Reporter der Lokalzeitung um ein Interview gebeten wurden und uns tags darauf auf Seite zwei mit einem großen Foto wiederfanden. Und dann natürlich noch mehr Besucher und Fragen nach unserem Motor bekamen. Bei der Fischfabrik konnten wir Diesel tanken, der Besitzer des Waschsalons brachte uns, nachdem er unseren Holzofen gesehen hatte, einen großen Sack mit gesammeltem Treibholz, die Fischer nahmen uns mit dem Auto in den Ort mit und und und… Einfach total nett!

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Und wir verbrachten zwei Tage mit einer französischen Familie, die wir bereits im Milford-Sound kennengelernt hatten, als wir per Anhalter unterwegs waren und von ihnen in ihrem Campingbus mitgenommen wurden. Wir hatten uns damals bereits ins Herz geschlossen, blieben in E-Mail-Kontakt und trafen uns nun in Greymouth wieder. Sie interviewen Umweltaktivisten auf der ganzen Welt für ein Jugendprojekt, waren schon in Russland und der Mongolei unterwegs und wollen im Anschluss an Neuseeland dieses Jahr noch nach Französisch-Polynesien, um weitere Interviews zu führen.

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Alles in Allem eine wunderschöne, erlebnisreiche Zeit in einem Ort, wo man normalerweise (mit dem Boot jedenfalls) nicht hinkommt. Und das alles nur, weil wir eben mal tanken mussten. Denn ja, wir haben einen Motor. Perkins 84 PS. Ah ja.

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Piopiotahi – Milford Sound

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Die Berge, die wir von See aus sehen konnten, wurden immer höher und vereinzelt hatten sie schon ihre Gletscherkappen auf, immerhin ist hier inzwischen der Herbst eingezogen. Der Milford Sound empfing uns mit strahlendem Sonnenschein! Hohe steile Felswände, Wasserfälle, Sonne und Schatten ergaben ständig neue Lichtspiele.

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Ein Ausflugsboot nach dem anderen drehte seine Runden im Fjord, die Leute winkten uns fröhlich zu. Flugzeuge flogen an den Felsen entlang und zu den Gletschern hoch, Hubschrauber knatterten, es war richtig was los.

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Wir tuckerten in der Mitte des Fjordes und genossen die schöne Aussicht auf diese gewaltigen hohen Felsen, erfuhren aber später, dass wir uns nicht an die Verkehrsordnung gehalten hatten, die besagt, dass man den Fjord im Uhrzeigersinn befahren sollte. An der einen Seite raus, der anderen wieder rein… nun gut.

Das war vor Urzeiten noch gänzlich unwichtig, als die Fiordlands – so eine Maori-Legende – vom Halbgott Tu-Te-Raki-Whanoa geschnitzt wurden. Er begann im Süden, wo er eine raue Küstenlandschaft mit mehreren Inseln schuf. Nach und nach verbesserte er seine Technik und als er beim Piopiotahi, dem Milford Sound, angekommen war, gelang ihm der perfekte Fjord. Die Göttin der Unterwelt, Hine-Nui-Te-Po, fand den Sound auch wunderschön, fürchtete aber, dass die Menschen, die ihn einmal gesehen haben, für immer hier bleiben wollten. Um das zu verhindern ließ sie die Sandfliegen auf den Fjord los. So ganz ist ihr das nicht gelungen…

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Ganz am Ende des Fjordes gibt es in einer Ecke die Anlegestelle für die Ausflugsboote, ein großes Café, ein Hotel, dazwischen den kleinen Flughafen, ein paar Häuser für die Angestellten und in der anderen Ecke einen kleinen Fischereihafen. In dieser Lagune gab es ein paar freie Bojen, eine davon konnten wir zum Festmachen nutzen, denn zum Ankern war es viel zu tief. Hier lagen wir ein gutes Stück abseits vom Trubel und hörten nur tagsüber die Flugzeuge über uns brummen.

Von den Felsen und Gletschern kam viel Süßwasser runter, das sich als obere Schicht auf das Salzwasser legte und sehr kalt war: 8 Grad Celsius. Eine einzelne Robbe zog jeden Tag gemütlich ihre Runde ums Boot und wunderte sich sicher manchmal, was diese Menschen für quietschende Geräusche von sich gaben, wenn sie mal kurz ins Wasser tauchten.

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Diesel war hier aber auch nicht so einfach zu bekommen: wegen der Osterfeiertage war ab Karfreitag das Büro im Fischereihafen nicht mehr besetzt und auch alle Fischer, die im Besitz einer Tank-Karte sind, waren offensichtlich heim gefahren. Wir beschlossen also, über Ostern da zu bleiben, draußen war sowieso kein Wind zu erwarten.

Am Ostermontag hatten wir dann Glück, zwei junge Fischer werkelten an ihrem Boot und liehen uns ihre Karte zum Tanken. Allerdings hat Milford nicht nur die teuerste Tankstelle für Autos, auch der Preis des Diesel für die Boote ist hier direkt proportional zur Höhe der Berge. 100l sind genug fürs Erste, auf halbem Weg nach Nelson soll es einen Fischereihafen geben, da werden wir Halt machen. Auf nach Greymouth!

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Die Fiordlands – auf den Spuren von James Cook

5. – 17. April 2017

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„Nach einer Fahrt von einhundert und zwei und zwanzig Tagen, auf welcher wir ohngefähr dreitausend fünfhundert Seemeilen in ofner See zurückgelegt hatten, kamen wir endlich am 26ten März zu Mittag in Dusky-Bay an. … Sanft wehende Winde führten uns nach und nach bey vielen felsichten Inseln vorbei, die alle mit Bäumen und Buschwerk überwachsen waren, deren mannigfaltiges dunkleres Immergrün, (evergreen) mit dem Grün des übrigen Laubes, welches die Herbstzeit verschiedentlich schattirt hatte, malerisch vermischt war und sehr angenehm von einander abstach. Ganze Schaaren von Waßervögeln belebten die felsigten Küsten und das Land ertönte überall vom wilden Gesang der gefiederten Waldbewohner.“

„Um drei Uhr Nachmittags kamen wir endlich unter der Spitze einer Insel vor Anker… Kaum war das Schif in Sicherheit, als unsre Matrosen ihre Angeln auswarfen und in wenig Augenblicken sahe man an allen Seiten des Schifs eine Menge vortreflicher Fische aus dem Wasser ziehen, deren viel versprechender Anblick die Freude über unsere glückliche Ankunft in der Bay ungemein vermehrte. Wir fanden sie von vortreflichen Geschmack und da wir zumahl so lange darauf gefastet hatten, so war es kein Wunder daß uns diese erste Neu-Seeländische Mahlzeit als die herrlichste in unserm ganzen Leben vorkam.“ (Georg Forster: Reise um die Welt. Insel Tb 757, 1967. S. 136ff)

Mehr als fünf Wochen sollte James Cook mit seinem Schiff, der „Resolution“, in der Dusky-Bay bleiben, sie kämpften sich durchs Dickicht, fällten Bäume, errichteten eine Sternwarte auf einem Berg, die Schiffszimmerleute und der Schmied bauten an Land eine Werkstatt auf, das Schiff hatte in den südlichen Breitengraden auf der Suche nach neuem Land in stürmischer See sehr gelitten und benötigte dringende Reparaturen. Die Matrosen, Schiffsoffiziere, der Maler Hodges und die Naturwissenschaftler, Vater und Sohn Forster, erkundeten die umliegenden Buchten und Seitenarme des Dusky-Sound mit den Beibooten. Ab und zu kamen ein paar Maori-Familien an den Strand und tauschten Fisch und Wildgeflügel gegen Beile, Nägel, Schaumünzen und Glasperlen mit der Schiffsbesatzung. Seite um Seite füllt Forster mit Beschreibungen dieser für ihn neuen und interessanten Gegend.

Für uns, die wir nach einer nur zweitägigen Überfahrt von Stewart Island im Dusky-Sound ankamen, war es spannend und vergnüglich zugleich zu lesen und zu vergleichen: Die Namen der Buchten und einzelner Berge und Seen sind jene, die ihnen Cook gegeben hat, Pickersgill Cove: wo die Resolution wochenlang in einer geschützten Bucht lag, Cascade Cove: wo ein beeindruckender Wasserfall entdeckt wurde, Anchorage Island: vor der die Resolution das erste Mal ankerte, Wet-Jacket-Arm: wo ein paar Matrosen und Offiziere von der einbrechenden Nacht überrascht und vom Regen durchnässt wurden oder Luncheon Cove: in der Cook während eines Ausflugs zu Mittag gegessen hatte usw. usf.

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Dusky Sound, vom Gipfel der Anchorage Island gesehen

Bei unserer Einfahrt in den Dusky-Sound war es erst einmal mit der Einsamkeit der Buchten von Stewart Island vorbei, gleich vier Boote konnten wir sichten, Fischer, Segler, Angler. Wir banden die Muktuk in der Cascade-Cove an einer großen Boje fest und der leckere Blue Cod, den die Matrosen auf der Resolution „Kohlefisch“ nannten, weil er so dunkelgrau aussieht, sobald er aus dem Wasser kommt und das schillernde blau und grün verliert, biss auch hier sofort an, sobald wir die Angel ins Wasser hielten. Wir zogen so viel raus, dass Andreas mal wieder ein paar Kabeljau-Filets räuchern konnte und wir von diesen auch eine Kostprobe unseren Nachbarn abgeben konnten: nette Segler aus den USA, die am zweiten Tag mit ihrem Boot und der Muktuk im Päckchen an der Boje lagen.

Die Vielzahl der Waldvögel, die Forster noch hören konnte, hat in den darauffolgenden Jahrzehnten rapide abgenommen, Ratten und Wiesel wurden eingeschleppt, gegen die diese meist flugunfähigen Vögel sich nicht schützen konnten. Heute gibt es ein paar vereinzelte Inseln in den Fiordlands und Reservate in den Bergen, die mit viel Mühe „pestfree“, also schädlingsfrei, gemacht wurden und wo man noch das eine oder andere kleine Vögelchen zutraulich umher hüpfen sehen kann.

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Zutrauliches Vögelchen

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Scharbenjunge im Nest

Auch Cooks Leute klagten über die vielen Sandfliegen, die sich nur durch starken Wind abhalten lassen einen zu umschwirren und zu beißen. Angeln, Holz und Wasser holen oder gar Wäsche waschen ist dann nur bedingt möglich. Darum verlegten wir nach zwei Tagen das Boot nach Luncheon Cove, wo es laut Revierführer besser auszuhalten sei und tatsächlich wurden wir dort kaum von den Sandfliegen belästigt.

Eine kuschelige lauschige Ecke war das, eine Robbenkolonie lebte in dem dichten Wald am Ufer, die kleinen Robben spielten tagsüber meistens in kleinen Gruppen im Wasser, tauchten und kämpften miteinander. Gegen Abend kamen die Mütter dazu, riefen und röhrten und unternahmen dann ausgedehntere Ausflüge mit dem Nachwuchs.

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Ufer bei Luncheon Cove

Forster zeichnet und beschreibt eine Pflanze, die er Neuseeländische Thée-Myrthe nennt, heute unter dem Namen Manuka weltweit bekannt. Daraus wurde ein Tee gebraut und in der Tat, wenn man die Zweige mit den kleinen harten Blättchen in heißes Wasser gibt, und nicht länger als 1-2 Minuten ziehen lässt, bekommt man einen würzigen erfrischenden Trank. Cook unternahm so einiges, um die Gesundheit seiner Mannschaft wieder herzustellen, so ließ er auch Bier brauen. Die vitaminreiche Würzzutat waren die harzigen mit feinen Fichtennadeln überzogenen Zweige des Sprossen-Baumes.

„Wir braueten auch würklich, mit einem Zusatz von etwas Bier-Würz-Eßenz und Syrup, eine sehr gute Arth von Bier daraus, und machten dieses in der Folge durch eine Beymischung von Blüthen und Blättern des neuen Theebaums noch angenehmer und beßer. Der Geschmack war lieblich aber etwas bitter; und der einzige Fehler den wir daran finden konnten bestand darin, daß es früh, bey nüchternem Magen getrunken, zuweilen eine Übelkeit verursachte.“ (Forster, S. 141)

Die Fiordlands liegen im Südwesten von Neuseeland und sehen auf der Landkarte ganz schön zerfurcht aus, 15 Fjorde (oder Sounds im Englischen) sind es insgesamt. Über 12.000 qkm umfasst der Fiordland Nationalpark und ist immer noch ein schwer zugänglicher Teil des Landes, fast gänzlich unbewohnt. Zum Doubtful Sound und zum Milford Sound gibt es eine Straße, die anderen Sounds kann man nur mit dem Schiff erreichen. Fischerboote sind immer mal wieder zu sehen, ab und zu eine Hütte auf Schwimmkörpern für die Fischer und Jäger, manche davon mit Landeplatz für Hubschrauber, die Sprit bringen und dafür die Langusten als Lebendfracht mitnehmen und nach Christchurch bringen, wo sie weiter nach China geflogen werden.

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Nach ein paar Tagen wollten wir weiter nordwärts, tuckerten erst durch einen malerischen Kanal zum Breakwater Sound, hielten mittags unterwegs an um zu angeln. Von den eingemachten Gläsern mit allerlei Gulasch und Bolognese hatten wir noch kaum was angerührt, der Kabeljau war einfach so gut und immer frisch zu haben, wir hatten ihn noch lange nicht über.

Kanal

Tags darauf ging es wieder raus aufs offene Meer mit dem Ziel Doubtful Sound. Draußen war recht hoher Schwell und wenig Wind aber aus jeder noch so kleinen Bucht pfiff der Wind mit einer solchen Wucht heraus, dass wir mit zweifach gerefftem Groß fuhren. Als wir in den Doubtful Sound reinfahren wollten, blies es mit 45 Knoten aus dem Sound raus und wir kamen unter Motor einfach nicht gegen an. Die Muktuk drehte sich manchmal geradezu im Kreise, so stark waren die Böen. Ja, warum sollte es uns anders ergehen als Cook, der auch nicht in diesen Sound reinfuhr und ihn deshalb „doubtful“, also zweifelhaft, nannte.

Wir brauchten aber bald wieder Sprit und der nächste Fjord mit Tankstelle war der Milford Sound. Also beschlossen wir, weiter zu segeln und hofften, dass sich bis zum nächsten Tag dieses unvorhergesehene Wetterphänomen gelegt haben würde.

Kap Hörnchen

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Zugegeben, es ist nicht Kap Horn. Aber zumindest das zweitsüdlichste Kap der Welt. Das South Cape, die Südspitze von Stewart Island, liegt auf 47°18′ Süd und schlägt damit sowohl Tasmanien als auch das Kap der guten Hoffnung locker. Nur Kap Horn liegt mit 55°59′ Süd noch 520 Seemeilen weiter südlich.

Aber wie auch immer: wir sind drum herum gefahren und haben damit den vorerst südlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab jetzt geht es aufwärts, d.h. nach Norden und zurück ins Warme. Obwohl wir eigentlich nicht gefroren haben. Für unser Öfchen haben wir immer genug Holz gefunden (und beim Sägen wird einem auch schon warm), nur das Wasser war am Ende mit 10 Grad doch relativ frisch beim morgendlichen Bad, so dass wir manchmal einen Topf Wasser auf dem Ofen warm machten, um damit zu duschen. Beim Schnorcheln wird es mir trotz Neopren-Anzug nach einer Viertelstunde ganz schön kalt, Hut ab vor den Robben, die das viel länger aushalten.

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spiegel

Am 4. April haben wir schweren Herzens Stewart Island verlassen. Port Pegasus im Süden der Insel, wo wir die letzten anderthalb Wochen verbrachten, ist so wunderschön, so abgelegen und naturbelassen, dass wir es unglaublich genossen habe. Wanderungen durch Manuka-Büsche, Gesteinsformationen wie vom Bildhauer gemeißelt, Seelöwen und Robben als Gefährten, hin und wieder ein scheuer Pinguin, der tägliche Blue Cod, an dem wir uns immer noch nicht sattgegessen haben, es war einfach wunderschön und für uns beide der bisherige Höhepunkt unserer Reise.

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berge

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Eine Bucht ist malerischer als die andere, und auch unsere Ankermanöver mit Landleine klappen mittlerweile ganz gut. Am Bug hält der Hauptanker, dann fährt einer mit dem Dinghi und einer langen Leine an Land, die er an einem starken Baum oder einer Wurzel festmacht und mit der das Heck dann Richtung Land gezogen wird, denn die geschützten Ecken sind nicht groß genug, dass wir frei vor Anker schwingen könnten.

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Auf der Fahrt nach Norden in Richtung Fjordlands begleiten uns Königsalbatrosse, deutlich größer als die Mollymauks und großartige Segelflieger. Und dann durften wir auf der Überfahrt noch ein ganz besonderes Spektakel erleben: in der Nacht war am Südhimmel eine Aurora, ein Polarlicht zu sehen. Es war grün und loderte auf einer leicht gekrümmten Linie an mehreren Stellen, die sich im Laufe der Zeit teilten und wieder zusammenkamen. Nach gut fünf Minuten verlosch die Aurora zwar wieder, aber immerhin: wir konnten sie sehen. Leider gibt es kein Foto für den Blog: auf dem schwankenden Schiff geht keine lange Belichtungszeit. Ihr müsst uns also einfach glauben.

imBusch

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Alles gut

Nur eine kurze Nachricht für alle, die in den Nachrichten von den Verwüstungen erfahren haben, die der Zyklon Cook auf der Nordinsel Neuseelands und an der Ostküste der Südinsel angerichtet hat. Wir haben hier in den Fjordlands absolut nichts davon mitbekommen, haben mal wieder Glück gehabt. Im Gegenteil, wir haben überhaupt keinen Wind, um weiter nach Norden zu segeln, und müssen sehen, woher wir genug Diesel bekommen, um die Strecke motoren zu können
Mehr in ein paar Tagen…

Wildnis pur

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Stewart Island empfängt uns von seiner besten Seite. Die ersten Tage haben wir sonniges Wetter, ruhiges Wasser und können unsere neue Umgebung nach Herzenslust erkunden. Tagsüber heizt die Sonne das Boot auf, nur morgens und abends wird es frisch. Aber wir haben ja unseren Holzofen, also unternehmen wir den ersten Ausflug mit Säge und Axt bewaffnet und besorgen erst einmal Brennholz. Bald finden wir heraus, welches Holz gut brennt und dabei auch angenehm riecht. Schön, wenn es unter Deck dann kuschelig warm ist und riecht wie auf einer Almhütte!

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Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln gestaltet sich ortsgerecht. Von Bord aus angeln wir Blue Cod, die lokale Kabeljau-Spezialität. Die Tiere müssen mit den Lemmingen verwandt sein: in selbstmörderischer Gier stürzen sie sich auf den Haken. Bei Niedrigwasser fahren wir mit dem Beiboot zum nächsten Felsen und pflücken Miesmuscheln und Green Shells, am Strand finden wir an der Niedrigwasserlinie Cockles (dreimal so groß wie Venusmuscheln, aber ähnlich im Geschmack). Unser Jagdeifer ist geweckt, wir kommen uns vor wie beim Pilzesammeln, nur eben maritimer. Ja genau: cocklesandmussels, alivealive all…

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Weiter geht’s mit den Getränken: im Wald finden wir Manuka-Sträucher, die pflücken wir für einen aromatischen Tee. Für die dritte Charge selbstgebrautes Bier holen wir uns Wasser aus einem kleinen Bach, es ist vom Tannin der Waldbäume rötlich gefärbt und hat einen würzigen Geschmack. Mal sehen, wie bayerisches Hefeweizen aus Stewart Island Wasser gebraut schmecken wird. Die ersten Chargen unseres Biers sind schon fast ausgetrunken, es schmeckt übrigens hervorragend. Wir fühlen uns wie auf Cook’s Endeavour in 1770: die Mannschaft wird an Land geschickt, um Brennholz zu sammeln und die Wasserfässer zu füllen.

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Und weil wir Zeit haben und Fisch, und sowieso einen Holzofen befeuern, können wir auch unserer Räucherlust nachgehen. An Land finden wir Gittermaterial, das ich zu einem Zylinder rolle, in den ich unseren Grillrost einbaue und mit Alufolie bespanne. Pizzablech als Deckel oben drauf, und statt des Schornsteins auf den Kaminabzug gesetzt, fertig ist der Räucherofen a la Muktuk. Sieht zwar aus wie ein Sputnik, und ist wegen seiner fragilen Bauweise nur bei Leichtwind zu gebrauchen, aber produziert einen superleckeren geräucherten Kabeljau.

Sputnik

Tiere gibt’s freilich nicht nur zum Essen. Wir beobachten Seelöwen am Strand, die Oktopus fangen und fressen. Einer dieser Kolosse verfolgt uns, als wir mit dem Dinghi unterwegs sind. Wahrscheinlich ist er nur neugierig, aber wer weiß? Wir versuchen ihm zu erklären, dass das Dinghi unser Platz und er nicht willkommen ist, aber dann nehmen wir lieber Reißaus.

Aber natürlich hat Stewart Island auch andere Seiten. Zwei Tage liegen wir bei Regen und Sturm in einer kleinen Bucht, Böen von 8 Bft rauschen übers Deck und wir hoffen, dass der Anker hält. Der starke Wind drückt immer wieder den Rauch durch den Kamin herein, bald riechen Messe und Kabine auch wie ein Räucherofen. Sichtweite unter Deck: zwei Meter. Zum Glück ist der Regen gerade nicht so stark, wir können alle Luken aufreißen und lüften. In der Nacht ist freilich nicht viel mit schlafen: Muktuk zerrt am Anker, legt sich in den Böen über und ich hoffe nur, dass wir im Stockdunkeln nicht den Anker neu setzen müssen. Aber er hält prima durch, hat sich in den festen Sandboden tief eingegraben und ruckt keinen Meter. Glück gehabt.

Handy

An manchen Ankerplätzen haben wir noch so eine Art Handy-Empfang. Wenn wir das Handy in einer Tasche hoch in den Mast ziehen, können wir das Signal aus Oban, dem einzigen kleinen Ort auf Stewart Island empfangen. Über mobiles Internet und dem Handy als Hotspot können wir unter Deck mit dem Computer ins Internet. Coole Technik, oder? Aber das ist bald vorbei. Morgen wollen wir zur Südküste der Insel weiter, da gibt es dann solchen Zivilisations-Schnickschnack nicht mehr. Also werden heute Abend die letzten Blogeinträge fertiggestellt und hochgeladen, bevor wir uns für die nächsten Wochen in noch mehr Wildnis verabschieden.

Baum

Hoiho – der Gelbaugenpinguin

5. März 2017

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Ein Flyer in der Touristinfo von Dunedin fällt uns ins Auge: „Penguin Place“ wirbt mit einer geführten Tour zu den Gelbaugenpinguinen auf der Otago-Halbinsel, zu der wir uns anmelden. Wir haben für einen Tag lang ein Auto gemietet und am späten Nachmittag finden wir uns dort ein.

Eine Farmerfamilie, hauptsächlich Milchwirtschaft, hat einen Teil ihres Landes mit Zugang zu einer Bucht auf der Ozeanseite abgesperrt und zum Schutzgebiet für Pinguine erklärt.

Zuerst erzählt eine junge Frau im Besucherzentrum unserer Gruppe ein bisschen was über diese Pinguine, bevor wir uns in einen kleinen Bus setzen, der uns über holprige Feldwege zur Bucht bringt: es ist eine seltene Art, die Gelbaugenpinguine gibt es nur an der Südostküste von Neuseeland, auf Stewart Island und den Auckland-Inseln. Am meisten gefährdet sind sie am Festland von Neuseeland, weil die Menschen ihnen nach und nach den Platz am Strand und dem Buschland auf den Hügeln dahinter streitig gemacht haben, nur noch etwa 800 Exemplare leben hier und es werden stetig weniger, obwohl viel versucht wird, sie zu schützen. Auf Stewart Island (wo nur 300 Menschen leben und nicht allzu viele Touristen hinkommen) und den 800 Seemeilen weiter südlich gelegenen Auckland-Inseln, wo gar niemand lebt, gibt es zusammen noch etwa 4.000 Pinguine dieser Art.

Der Hoiho, wie er auf Maori genannt wird, ist ein recht großer Pinguin, ca 40-60cm hoch wird er. Und er ist nicht sehr gesellig, die Paare nisten so weit auseinander, dass sie sich möglichst nicht sehen und in die Quere kommen müssen. Und sie haben eine große Scheu vor Menschen: gerade während der Fütterungszeit der Jungen, meistens zwei, müssen sie tagsüber häufig an Land, um ihnen den halbverdauten Fisch zu bringen. Sitzt aber jemand am Strand auf ihrem Weg zum Nest, so schwimmen sie so lange hin und her, bis der Strand wieder leer ist. Oftmals dauert das zu lange, und so laufen ihre Küken Gefahr, nicht ausreichend ernährt zu werden.

Damit wir als Besucher doch einen Blick auf die Pinguine werfen können, haben sich die Leute vom Penguin Place etwas einfallen lassen: sie haben ein an ein Labyrinth erinnerndes System von Schützengräben gebaut und alles mit Tarnnetzen bedeckt. An einigen Stellen ist der Graben nicht ganz so tief, da sind Holzzäune errichtet, mit einem schmalen Sehschlitz. So sind wir auf Augenhöhe der Pinguine und sie empfinden uns und herausragende Kameraobjektive nicht als Bedrohung. Auch wenn wir sichere 200m weit entfernt von ihnen sind, bleiben wir ruhig und unterhalten uns nur flüsternd.

3aSchauen

Gerade sind sie in der Mauser, gehen für 6-7 Wochen nicht ins Wasser bis das neue Federkleid nachgewachsen ist. Manche von ihnen sehen noch aus, als hätten sie dicke Pelzjacken an, aber eigentlich nehmen sie in dieser Zeit ab, zehren von ihrem Speck.

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Einjähriger Pinguin in der Mauser, noch ohne gelbes Band an den Augen

Auf dem Weg von der einen zur anderen Beobachtungsstelle erzählt uns die junge Frau noch ein paar Geschichten von den Pinguinen. So gibt es da „nasty“ Rodd, einen Junggesellen, der sich unsterblich in eine Pinguindame verliebt hat. Nur leider ist sie schon vergeben. Das macht ihm aber nichts aus, er baute sein Nest an einer Stelle, wo sie abends auf dem Nachhauseweg immer vorbei kommen muss und oftmals ist er vor ihrem Mann da und umwirbt sie heftig. Sie lässt sich das wohl eine Weile gefallen, aber sobald ihr Mann auch aus dem Wasser zurück kommt, watschelt sie mit ihm zur gemeinsamen Hütte. Wenn Rodd auf ihren Mann trifft, will er mit ihm kämpfen und greift ihn an. Dieser aber reagiert ganz cool und geht einfach weiter. Sobald aber seine Frau in Sichtweite kommt und zuschaut, haut er zurück. Bisher hatte Rodd also wenig Erfolg, und die Betreuer hoffen sehr, dass er im nächsten Jahr eine andere, noch freie Pinguindame findet…

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Wir gehen weiter zu einer Seite der Bucht von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf den Strand hat, vorbei an vielen verschiedenen Sträuchern und kleinen Bäumen, die zum Schutz vor den eingeschleppten Kaninchen in weißen Plastikmanschetten wachsen. Die Hänge sollen möglichst in der ursprünglichen Vielfalt wieder aufgeforstet werden, um so den Pinguinen den natürlichen Wald mit Unterholz zu bieten. Holzhüttchen stehen am Wegrand, in denen die kleinen blauen Pinguine sitzen. Auch sie sind noch in der Mauser, vor ihrem Nest liegen viele kleine blaue Federchen, aber sie sind bei Weitem nicht so scheu, wir können ungeniert zu ihnen reinschauen. Obwohl sie nur zu zweit da drin sitzen, stinkt es ganz ordentlich aus ihrer Richtung: streng wie ein Pferdestall mit einer ordentlichen Portion vergorenem Fisch dazu.

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Blaue Pinguine

Penguin Place hat auch eine Klinik für Pinguine – wo immer in der Gegend ein Pinguin gefunden wird, der von einem Seelöwen oder einem Barracuda gebissen wurde und verletzt ist, kann er hier verarztet und genäht werden. Auch wenn junge Pinguine schutzlos und halb verhungert herumirren, werden sie hierher gebracht und wieder aufgepäppelt. Und wenn sie wieder fit genug sind, werden sie wieder frei gelassen…

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Dickschnabelpinguin im Gehege der Krankenstation
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Pinguinspuren im Sand