Smokehouse Bay

Endlich sind wir dem Stress des Werftaufenthalts und der Hektik des Landurlaubs entronnen und wieder auf dem Wasser. Unser Ziel, eine gute Tagesreise von Whangarei entfernt: Great Barrier Island. Die sechstgrößte Insel Neuseelands hat etliche schöne Ankerbuchten, wir können nur eine kleine Auswahl erkunden. Der verrückteste Platz hier: Smokehouse Bay.

Der mittlerweile verstorbene Eric Webster hat vor vielen Jahren hier ein Stück Land gekauft, einige ganz wunderbare Dinge installiert und das Ganze den vorbeikommenden Seglern und Anglern zur Verfügung gestellt. Als da sind: ein großer Räucherofen für Fisch, eine polierte Marmorplatte zum Ausnehmen und Filetieren. Eine Wasserleitung aus den Bergen, Waschbecken zum Wäschewaschen, Mangeln zum Auswringen der Wäsche, große Wäscheständer zum Trocknen. Eine Feuerstelle zum Grillen, Tische und Bänke. Eine komplette Ausstattung an Kochgeschirr. Das Beste aber: ein Badehaus mit Badewanne und einem Holzofen fürs heiße Wasser.

Warme Duschen sind ja schon ein Luxus, den es normalerweise nur ausnahmsweise an Land gibt; unterwegs ist ein Sprung ins Meer angesagt. Aber ein echtes heißes Wannenbad – wir wissen gar nicht wie viele Jahre wir das nicht mehr hatten. Das geht dann mit Holzsammeln am Strand los, kleinsägen kann man es mit einer Auswahl an Sägen aller Art, die ebenfalls dort hängen. Ofen einheizen, zwei oder drei Ladungen Holz braucht man, bis das Wasser schön heiß ist. Wenn man Glück hat, räuchern in der Zwischenzeit ein paar Angler ihren Fang und man kann sich die Wartezeit mit der Verkostung von frisch geräuchertem Snapper und Angeltipps vertreiben. Und dann eintauchen ins heiße Wasser. Wunderbar!

Kauri – der Riese des Waldes

Ein Kauri ist ein Dinosaurier unter den Bäumen, vor Jahrmillionen gab es ihn schon und seither hat er sich kaum verändert. Er wächst kerzengerade in die Höhe, ein langer Stamm ohne Astansätze, die Baumkrone beginnt weit oben und überragt alle anderen Bäume im Wald. Botaniker zählen den Kauri zu den immergrünen Araukarien, die im subtropischen Raum heimisch sind. Er ist ein langlebiges Gewächs, bis zu 2000 Jahre alt kann er werden. Sein einziger Nachteil ist, er wächst sehr langsam.

Bevor die europäischen Einwanderer in Scharen nach Neuseeland kamen, gab es undurchdringliche Wälder auf der Nordinsel voller Kauri. Die neuen Bewohner brauchten Holz für ihre Häuser, die Schiffsbauer waren begeistert von den geraden und sehr stabilen Stämmen und wollten dieses Holz auch haben. Außerdem produziert der Kauri ein Harz, das noch besser als das seiner Verwandten in Ozeanien ist und sich hervorragend für Lacke aller Art eignet.

Es entstand der Beruf des „gum-diggers“, des Harz-Sammlers: große Klumpen von Kauri-Harz, das über Jahrhunderte in Sümpfen konserviert worden war, wurden ausgegraben. Als in den Sümpfen nicht mehr viel gefunden wurde, mussten die lebenden Bäume selbst herhalten. Die Rinde eines Kauri-Baumes wurde eingeritzt und nach einer Weile das tropfende Harz geerntet. Eine genauso harte und gefährliche Knochenarbeit wie das Graben in den Sümpfen. Und ähnlich wie beim Goldschürfen wurden die wenigsten Sammler davon reich…


Längsschnitt durch einen Kauri-Stamm

Das Abholzen der Kauri kommt aus heutiger Sicht einem Raubbau gleich – mit ungläubigem Staunen sind wir durch das Kauri-Museum in Matakohe von Raum zu Raum gegangen und haben uns die Exponate angeschaut. Wie viel Energie und Erfindungsgeist wurde investiert, um diese riesigen Bäume zu fällen, sie zu zersägen und dann die einzelnen Stücke durch das unwegsame bergige Land zu transportieren. Dämme wurden gebaut, um die Wasserkraft zu nutzen, ein einfaches aber gut funktionierendes System mit einer wiederverwendbaren Klappe, Ochsengespanne wurden eingesetzt, die die Stämme dann weiter zogen bis zu den neu angelegten Bahnlinien. In nur 100 Jahren schafften es die neuen Siedler fast allen Kauri im Norden der Nordinsel abzuholzen und den größten Teil der Wälder in Weideland umzuwandeln.

Erste Bemühungen gab es schon in den 1920er Jahren, Naturschutzgebiete für den Kauri und für den subtropischen Wald mit all seiner Vielfalt einzurichten, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten ausreichend viele Waldgebiete in Reservate umgewandelt werden, so dass damit der Schutz des Kauri erst wirksam wurde.

Heute ist der Kauri wohl nicht mehr vom Aussterben bedroht, wird in den Schutzgebieten aufgeforstet, darf aber nicht mehr abgeholzt werden. Allenfalls altes Kauri-Holz aus Sümpfen kann zurzeit noch kunsthandwerklich verarbeitet werden, es ist ein schönes Holz, das in Form von Schalen oder Brettchen gut zur Geltung kommt.

Und nun gibt es ein neues Problem, eine aus Australien eingeschleppte Krankheit, die die Bäume verdorren lässt: „Kauri dieback“. Deshalb müssen alle Besucher der Nationalparks, bevor sie wandern wollen, am Eingang an einer Schleuse die Schuhsohlen abbürsten und die Schuhe mit einer speziellen Lösung besprühen, damit diese Krankheit nicht durch infizierte Erdkrümel unkontrolliert weiter verbreitet wird.

Für die Maori waren und sind einzelne große alte Kauri-Bäume heilig und sie spielen in der Mythologie eine große Rolle. So sind der größte noch lebendige Kauri-Baum, der „Gott der Wälder“, Tane Mahuta (Stammumfang 13,70m, 51m hoch und die Blätterkrone beginnt erst bei knapp 18m über dem Erdboden) und der nicht ganz so hohe, dafür aber dickere „Vater des Waldes“, Matua Ngahere (Stammumfang 16,41m und knapp 30m Höhe) nicht nur für die durchreisenden Touristen interessant.

Diese Bäume und noch ein paar mehr können in einem Waldstück nicht weit voneinander entfernt besichtigt werden. Wir sind beeindruckt von ihrer Schönheit und betrachten sie mit einer gewissen Ehrfurcht, wenn wir daran denken, dass sie schon da standen, bevor Captain Cook seinen Weg nach Neuseeland fand und sogar noch bevor die ersten Kanus der Maori anlandeten!

Milchstraße, unterirdisch…

Wer kennt sie nicht, die Glühwürmchen, die im Juni abends im Wald umherschweben, eigentlich sind das Leuchtkäfer. Aber es gibt tatsächlich auch richtige Glühwürmchen: sie leben auf der anderen Seite der Welt, tief unten in Höhlen, und kommen ganz ohne Tageslicht aus.

Die „Glowworm-Caves“ in Neuseeland sind eine große Touristenattraktion und die wollen wir auf keinen Fall verpassen. Also buchen wir eine Tour für dreieinhalb Stunden, eine kleine Gruppe von zehn Leuten, zwei Höhlen. Zuerst geht es mit dem Bus an Buschland und undurchdringlichem Regenwald vorbei, dann kommt wieder ein Stück sattgrünes Farmland mit Rindvieh drauf.

Unter all diesen Hügeln verbergen sich ein paar Geheimnisse. Das kalkhaltige Gestein in dieser Gegend wird vom Wasser ausgewaschen und bildet unterirdische Höhlen.

Unsere erste Station ist eine „Trockenhöhle“ mit geraden gesicherten Wegen. Ein schönes Lichtdesign setzt die vielen Stalagmiten und Stalaktiten wirkungsvoll in Szene. Wir kramen unser verschüttetes Wissen aus dem Erdkundeunterricht hervor, was war noch mal genau was? Ein paar Fossilien und sogar Knochen von dem inzwischen ausgestorbenen Moa-Vogel liegen herum. Ab und zu kommt auch ein bisschen Tageslicht rein: da ist die Decke der Höhle ausgewaschen und eingestürzt. Oberirdisch bilden sich kleine Krater in der Hügellandschaft, Dolinen genannt (danke Herr Philippi, Erdkunde!) Einsturzgefährdete Stellen werden von den Farmern vorsorglich eingezäunt, damit Rind und Schaf nicht versehentlich ein paar Meter tiefer landet.

Aber die Hauptrolle haben die Glühwürmer (Arachnocampa luminosa), von den Maori „Titiwai“ genannt. Ein paar von ihnen leben auch in dieser Trockenhöhle, wo Wasser an den Wänden entlang läuft und unser Guide nutzt die Gelegenheit, uns einiges über ihren Lebenszyklus zu erzählen. Wenn sie schlüpfen sind sie ungefähr 3-5mm lang, dünne braune Dinger. Je nach Nahrungsaufkommen leben sie 6-12 Monate und wachsen bis zu 30mm aus. In dieser Zeit kriechen sie an der feuchten Decke der Höhlen entlang und spinnen klebrige Fäden, die von der Decke herunterhängen. Mit ihrem fluoreszierenden Licht locken sie allerlei Fliegen und Motten an, die sich dann in den Fäden verfangen. Sobald die Beute am Faden klebt, ziehen die Glühwürmer den Faden hoch und verspeisen sie genüsslich.

Solcherart vertreiben sie ihre Zeit, bis sie sich verpuppen und nach einer Weile die Fliegen schlüpfen. Die fertigen Fliegen leben gerade mal 3-4 Tage lang. In dieser Zeit paaren sie sich, die Männchen sterben nach 3 Tagen, das Weibchen lebt einen Tag länger, es muss noch schnell die Eier legen, aus denen wiederum die Würmer schlüpfen… Und alles geht von vorne los.

Zurück in die Sonne, eine Pause mit Tee und Keksen, dann geht es weiter zur zweiten Höhle. Dieses Mal muss jeder einen Helm mit Stirnlampe aufsetzen, bevor wir an einem kleinen rauschenden Bach entlang in die Höhle hinein gehen.

Ein Stück weiter drinnen, steigen wir in ein großes Schlauchboot und knipsen unsere Lampen aus und auf einmal sind einige kleine Lichter an der Decke zu sehen. Langsam gewöhnen sich unsere Augen an die Dunkelheit ein paar weitere Lichter tauchen auf.

Unser Guide bittet uns, in die Hände zu klatschen, und noch mehr Pünktchen beginnen zu leuchten. Ganz schön eitel, diese Glühwürmer? Die Schallwellen bewegen die Fäden, die Würmer glauben, ihre Beute sei im Anflug und beginnen zu leuchten. Ein „Ah!“ und „Oh!“ geht durch die Höhle, dann wird es still, nur der kleine Wasserfall rauscht und wir schauen nur noch, es ist magisch schön! Unser Schlauchboot wird einige Meter auf dem Bach hin und her gezogen, wir fahren sozusagen unter der Höhlen-Milchstraße entlang. Einzig, unsere Fotos sind nichts geworden. Aber von den Organisatoren der Tour bekommen wir ein paar traumhaft schöne Bilder zugeschickt, die wir hiermit mit Dank an sie verwenden.

Grün

Neuseeland ist ja als die grüne Insel bekannt. Das können wir nun nach rund 4000 km Landstraße durchaus bestätigen. Damit es so grün bleibt, muss die Insel ständig gegossen werden – leider auch während unserer Reise. Aber zum Glück nicht als Dauerregen, sondern eher nach dem Muster unseres Aprilwetters – Regenschauer, Sonne, mal bedeckt mal heiter, warm wenn die Sonne scheint und kalt sonst.

Wir wollen uns nicht beklagen – meist haben wir genügend trockenes Holz für ein Lager- und Grillfeuer gefunden, und wenn es draußen zu ungemütlich war, haben wir uns ins Innere des Campervans gekuschelt und die Naturkulisse durch die Fensterscheiben betrachtet.

Gezäunt und gerädert

31 Millionen Schafe, 10 Millionen Rinder leben aktuell in Neuseeland. Das sind 7 Schafe und gut 2 Rinder pro Einwohner. Auf unserer Rundreise haben wir in drei Wochen definitiv mehr Schafe gesehen als in unserem ganzen bisherigen Leben.

Zwar sind die Viecher eigentlich überall, aber wegen der Sache mit dem Privateigentum muss natürlich immer ein Zaun darum herumgezogen werden. Das hat seine guten und schlechten Seiten. Zum einen hält es die Tiere überwiegend von der Straße fern, was das Autofahren deutlich erleichtert und den Schafen die Mühe erspart, sich mit den Verkehrsregeln vertraut zu machen.

Zum anderen hält es aber auch Campervans wie den unseren von den Freiflächen fern, denn eigentlich ist jedes Stück Land entweder Farm und damit bewohnt oder Weide und damit eingezäunt. Man fährt also durch die schönsten Gegenden und sucht am Abend ein Plätzchen, wo man den Bus abstellen kann. Aber wo man in Deutschland einen Feldweg oder eine Forststraße erwarten würde, trifft man in Neuseeland entweder Zaun oder Gatter. Die Suche nach einem Stellplatz kann also schon leicht mal ein Stündchen dauern.

Aber die Suche hat sich meist gelohnt: ein hübsches Plätzchen an der Lagune, ein Parkplatz auf den Klippen mit Blick auf die wilde Brandung, ein idyllisches Fleckchen am Bach, oder eben neben der Schafsweide.

Nur die vorletzte Nacht ging etwas daneben: da hatten wir ein hübsches Plätzchen direkt am Ufer unter einer stillgelegten Eisenbahnbrücke gefunden, nur dass sie sich dann doch als nicht ganz so stillgelegt herausstellte. Kurz vor Mitternacht rauschte ein Güterzug nach dem anderen über uns hinweg, bis zum frühen Morgen. Ihr glaubt gar nicht, wie laut ein Zug sein kann, wenn man sich etwa drei Meter darunter befindet.

Stadt Land Fluss

Es war schon erstmal eine Umstellung. Nach unserer geräumigen 20 qm Wohnung mit 3 Zimmern Küche Bad (unserer Muktuk) der Umzug auf 6 qm Campervan. Da wir für drei Wochen Fahrt doch einiges an Klamotten und Ausrüstung dabeihatten, war ständiges Umstauen an der Tagesordnung. Wollte man sich zum Essen hinsetzen, wanderte der ganze Haufen aus Jacken, Taschen, Rucksäcken etc. auf die Matratze. Brauchte man neue Küchenvorräte, wanderte der ganze Haufen wieder zurück, damit man die Matratze hochklappen und die Staufächer erreichen konnte. Brauchte man Kartoffeln, mussten zuerst die Wanderstiefel weg, dann die Regenjacken und -hosen, irgendwo darunter waren sie dann. Die ersten Tage konnte man echt die Krise kriegen.

Aber wie Segler wissen, ist der Mensch ja ein anpassungsfähiges Wesen. Am Ende ist uns der kleine Bus richtig ans Herz gewachsen (Danke, liebe ZigZags). Alles Nötige war in unserem Schneckenhäuschen dabei, das Kochen auf dem kleinen Gaskartuschenbrenner klappte auch, jeden dritten Tag konnten wir auch ein Lagerfeuer anzünden und grillen, und so konnten wir drei Wochen lang Weiden, Strände, Museen, Hügel, Kauri-Bäume, Höhlen, Blumenwiesen, Bäche, schneebedeckte Berge, blühende Parks, Vulkane und auch ein paar Städte anschauen und wissen nun aus erster Hand, dass es hinter der Küste tatsächlich ein ganzes Land gibt.

Rette sich wer kann

Auf der Arbeitsliste für den Werftaufenthalt stand auch die Wartung unserer Rettungsinsel, die zuletzt vor vier Jahren in Galicien zur Wartung war und nun wieder fällig ist. Schon vor unserer Abreise nach Deutschland haben wir sie ins Dinghi gepackt und auf die Werft geschleppt. In Deutschland kam dann die unangenehme Nachricht: der Hersteller der Insel ist vor einigen Jahren pleite gegangen, daher kann keine Wartung mehr gemacht werden, denn Originalersatzteile sind nicht mehr verfügbar, und andere darf ein zertifizierter Wartungsbetrieb nun einmal nicht verbauen.

Nach einiger Recherche im Internet, wie man so etwas macht, entscheiden wir, die Insel mal selbst anzuschauen. Eigentlich ist das auch kein großes Problem. An einem Tag mit trockener Luft pumpen wir die Insel mit dem Blasebalg auf und bekommen so einen ersten Eindruck von dem Teil, in das man eigentlich nie einstigen möchte. Wir studieren das Zubehör und wissen nun zum ersten Mal, was da eigentlich drin ist.

Die Insel macht einen recht soliden Eindruck, das Gummi ist stark und nicht spröde, die Verklebungen sehen intakt aus. Die Dichtigkeitsprüfung besteht sie auch gut, nach 36 Stunden ist der Druck immer noch gut. Auf der Gasflasche ist vermerkt, was sie leer und voll wiegen soll, auch da passt alles. Der Auslösemechanismus kann inspiziert werden, wenn man die Metallplatte abschraubt, auch alles gut.


Aber jetzt der Hammer: Es gibt in der Insel etliche Batterien: für das (kaputte) Blinklicht am Dach, für die Taschenlampe im Zubehörsack, für die kleine EPIRB zur Ortung. All diese Batterien sind im Jahr 2003 (!) abgelaufen. Das heißt, sie waren schon bei den letzten drei Wartungen abgelaufen und hätten von den Wartungsfirmen ersetzt werden sollen. Es stellt sich also die Frage, ob diese Unternehmen den Container überhaupt geöffnet haben, oder nur einen neuen Aufkleber (nächste Wartung am…) angebracht und eine Rechnung über mehrere hundert Euro gestellt haben.

Eine andere Frage stellt sich dagegen nicht mehr. Ob man es wagen kann, die Wartung der Rettungsinsel selber zu machen. Mag ja schon sein, dass man es nicht so perfekt hinbekommt. Aber man kann zumindest sicher sein, dass es überhaupt gemacht wurde.
Der schwierigste Teil kam allerdings noch: fast einen halben Tag habe ich gebraucht, das Ding wieder so zu falten, dass es wieder in den Container passt. Am Ende half nur ein ausgeliehener Spanngurt, um die beiden Halbschalen des Containers zusammenzukriegen. Aber in der Wärme der Tropen und bei dem ständigen Geschaukel an Bord wird es sich schon zurechtrücken.

Mal wieder Werft

Ist ja schon ein gutes Jahr her, dass wir zum letzten Mal die zweifelhaften Freuden des Werftlebens genossen haben, damals war es in Tahiti. Nun sitzen wir – kaum in Neuseeland gelandet – gleich wieder auf dem Trockenen. Die Arbeitsliste ist lang, aber nicht dramatisch, die üblichen Arbeiten und kleineren Reparaturen: eine neue Ankerkette, das Skylight ist gesprungen und muss ausgetauscht werden, ein Lukendeckel wird neu galvanisiert, der andere geschweißt, gesandstrahlt und lackiert. Die Bretter vom Cockpitboden sind durch und müssen neu gemacht werden, die Luke im Vorschiff leckt und muss neu eingeklebt werden, die Kielabdeckung hat Wasser gezogen und wird neu laminiert, und natürlich gibt es zwei Lagen rote Farbe auf den Rumpf und drei Lagen neues Antifouling, denn wer weiß, wann wir das nächste Mal wieder aus dem Wasser kommen.

Nach dem totalen Luxus des Landlebens in München sind wir in einer Übergangszeit, denn auf der Werft gibt es hervorragende Duschen, mit dem Strom müssen wir nicht sparen (wir haben Landstrom), und eigentlich könnten wir auch mit dem Wasser sorglos umgehen, denn die Tanks sind mit dem Wasserschlauch schnell wieder gefüllt. Dumm nur, dass das mit dem Abwasser nicht so einfach geht, wie auf dem Wasser. Unser Spül- und Waschwasser sammeln wir in einen Kanister, und der muss täglich ein paar Hundert Meter zur Abwasserstelle geschleppt werden – war also nichts mit sorglosem Wasserverbrauch.

Ansonsten ist die Essenz eines Werftaufenthalts ja der Vergleich von vorher zu nachher. Lassen wir also die Bilder sprechen.




Muktuk im Winterlager

Winterlager

Da liegt nun die Muktuk in ihrem Winterlager, gut vertäut an vier Pfählen im Fluss von Whangarei. Die Segel sind abgeschlagen, alle Ventile geschlossen, Boot aufgeräumt. Ein junger Segler aus Frankreich schaut regelmäßig vorbei, ob alles in Ordnung ist. Und nun darf sie träumen von den schönen Buchten und der Wildnis von Stewart Island und Fiordland, während der Winter in Neuseeland einzieht.
Wir sind derweil für mehr als drei Monate in Deutschland und freuen uns über den wunderbaren Sommer hier!

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Einmal rund Neuseeland

3. – 9. Mai 2017

Segel

Wir entschieden uns, die Westküste der Nordinsel von Neuseeland hoch zu segeln, zurück zur Bay of Islands. Ein ordentlicher Wind würde uns ein gutes Stück Richtung Norden schieben. Der einzige Haken dabei: 4m Welle. Von jetzt auf gleich, vom ruhigen Wasser aufs schaukelnde Meer ohne Eingewöhnungszeit. Aber es half nichts, Augen zu und durch!

Alles an Deck wurde fest gezurrt, unter Deck räumten wir gründlich auf und verstauten die beweglichen Sachen, für drei Tage hatte ich vorgekocht, Brot gebacken, die Teekanne für die Nacht gefüllt und los.

Wellen

Zwei Tage lang blies der Wind mit 5-6Bf, die Muktuk sauste mit zweifach gerefftem Groß und der Fock mit 6-7kn dahin. In manchen Böen schaffte sie sogar 8kn, dabei vibrierte das ganze Stahlgehäuse, die Wanten fingen an zu singen. Und die neuen Segel durften zeigen, was sie aushalten.

Wir wurden ordentlich durch geschaukelt und so ein erster Tag auf See kann ziemlich hart und lang werden, der Lichtblick des Tages ist ein warmes und reichhaltiges Essen. Nur dieses Mal nicht: Der Kartoffelsalat hatte zu wenig Salz und war zu trocken. (Ok, das kann man ja noch reparieren und die Wiener Würstchen dazu von Karstens Wurstladen in Nelson schmeckten wie richtige Wienerle). Aber die Linsensuppe war hoffnungslos ungenießbar, zu viele bittere Linsen. Immerhin, nicht alles war schief gegangen, wenigstens die Rindsuppe war in Ordnung!

Rasmus ließ immer mal wieder ein paar Kübel Wasser über die Reling schwappen und mit etwas Glück, erwischte man den Platscher beim Ausguck und kam tropfnass wieder runter. Also, rein ins Ölzeug, Ausguck gehen, raus aus dem Ölzeug, wieder auf die Bank hinlegen, Decke über die Nase ziehen, dösen. Und das alle 15 Minuten, 24 Stunden lang.

Ja, eine Seefahrt die ist lustig…

Am dritten Tag ließ der Wind deutlich nach und die See beruhigte sich allmählich. Auch uns ging es wieder besser, nur müde waren wir. Andreas hing am Morgen die Angel raus und schon nach 10min biss ein respektabler Bonito an. Daraus zauberte Andreas zu Mittag Dreierlei vom Fisch: Tartar, Cajun und Poisson Cru. Mmm…

Der Wind schlief am vierten Tag langsam ein, erst kam noch unser Code0, das Leichtwindsegel, zum Einsatz und schließlich fuhren wir ein paar Stunden unter Motor. Um nicht die ganze Nacht durch tuckern zu müssen, ankerten wir abends in einer offenen schönen Bucht zwischen dem Cape Reinga und dem Nordkap von Neuseeland. Morgens erwartete uns ein herrlicher Anblick, wir hatten ein Stück des „90-Meilen-Strandes“ vor der Nase, die Brandung rauschte, zwei einsame Spaziergänger waren zu erkennen und hinter den grün bewachsenen Dünen versteckte sich eine kleine Hütte. Sonst nichts!

Ninetymile

Nordkap

Nachdem wir ums Nordkap herum waren, hielt sich der Wind an die Vorhersage und änderte die Richtung, nahm uns freundlich die Ostküste mit runter . Eine Nacht noch auf See und am nächsten Morgen konnten wir schon die ersten grünen Berge der Bay of Island sehen.

Berge

Bei der Einfahrt erwartete uns eine Herde Delfine, eine große Art, 2m und länger, sie surften mit der Bugwelle, wechselten sich ab, zwei Mal pusten, dann durfte der nächste ran. Eine Mutter zeigte ihrem Jungen, wie es geht und manchmal drehte sich ein Delfin auf die Seite und schaute zu uns hoch! So ein toller Empfang!

Delfin

Damit hatten wir es geschafft! Neuseeland einmal umrundet!

Boote

Bei so vielen Booten in der Bucht war es nicht so einfach, einen Ankerplatz zu finden. Viele von ihnen warteten nur auf das nächste Wetterfenster, um hoch zu den Inseln zu segeln, nach Fidschi, Neukaledonien oder Tonga, zurück in die Tropen.
Wir aber wollen noch ein Jahr in Neuseeland bleiben, es gibt noch so viele schöne Ecken zu erkunden.

BooteNebel