Ashiya – Stadt der Teekessel

9. – 10. April 2019

Weiter geht es die Küste Kyushus Richtung Norden. Tagesziel ist der kleine Ort Ashiya, der seit dem 14. Jahrhundert Japans Zentrum für gusseiserne Teekessel war. In diesen Teekesseln wird das Wasser bei der Teezeremonie gekocht, sie haben eine besondere Form und sind mit kunstvoll ausgearbeiteten Reliefs verziert.

Allerdings war es erst einmal eine Herausforderung, dort hinzukommen. Wind und Strom sind gegen uns, wir müssen motoren und es steht eine unangenehme, ruppige See. Wir kommen nur mit 2-3 kn Fahrt voran. Auf einmal ertönt der Bilgenalarm – in der Motorbilge steht jede Menge Wasser. Da muss jemand etwas missverstanden haben: unter Seglern wünscht man sich neben Mast-und Schotbruch bekanntlich eine Handbreit Wasser unterm Kiel, von einer Handbreit Wasser in der Bilge ist keine Rede. Die Ursache ist schnell gefunden: die Wellendichtung dichtet die Propellerwelle nicht mehr genügend ab, wenn der Motor auf seinen Gummilagern durch die Bewegung im Seegang arbeitet. Je schneller wir fahren, desto mehr Wasser dringt ein, aber wenn wir langsamer fahren, kommen wir gar nicht mehr voran. Also Augen zu und durch, die Bilgenpumpe schafft es noch problemlos, die Wassermengen wieder nach draußen zu befördern. Aber alle ein bis zwei Minuten läuft sie für 20-30 Sekunden, das ist schon beunruhigend.

Für das Hafenbecken, in dem wir festmachen wollen, fehlen detaillierte Karten, und so sitzen wir trotz 1 Meter aufgeholtem Kiel und über einem Meter Tide erst einmal auf, kommen aber aus eigener Kraft wieder frei. Das mit der Handbreit Wasser unterm Kiel will heute einfach nicht klappen. Schließlich legen wir an einer alten Pier an, die dick mit Seepocken bewachsen, mit rostigen Eisenbeschlägen versehen und mit vorstehenden Betonelementen versetzt ist. Unsere dicken Styroporfender und Fenderbretter kommen also endlich zum Einsatz.

Die Wellendichtung kann ich zum Glück justieren, so dass sie jetzt wieder dicht ist. Dennoch muss sie bei nächster Gelegenheit ausgetauscht werden, denn das Material verliert über die Jahre seine Elastizität und ist mittlerweile am Limit. Der Austausch ist aber nur möglich, wenn das Schiff aus dem Wasser kommt. Das passende Ersatzteil haben wir schon seit Neuseeland an Bord. Einige Stunden Arbeit haben wir aber jetzt schon, bis die Bilge entwässert, mit Süßwasser gespült und getrocknet ist.

Am nächsten Tag ist das Wetter wieder besser und wir machen uns auf zum Teekesselmuseum. Wunderschön gelegen, bietet das Gelände einen klassischen japanischen Garten mit Teich, Steinen, Bäumen und gleich zwei Hütten für die Teezeremonie. Man kann diese Hütten für Veranstaltungen mieten, zur Zeit ist aber nichts los, so dass wir die große Hütte auch von innen besichtigen können, und auch den Garten haben wir praktisch für uns alleine.

Später werden wir berühmtere Gärten in Kyoto und Okayama besichtigen, dann aber zusammen mit Hunderten von Touristen. Hier dagegen können wir die Ruhe und Harmonie, die dieser Garten ausstrahlt, in vollen Zügen genießen.

Keramik in Karatsu

05.-08. April 2019

Am 4. April verabschieden wir uns von Mogi. Während wir die Südspitze der Halbinsel von Nagasaki umrunden, müssen wir ständig Ausguck gehen, so viel Verkehr ist da und wir sind froh, dass wir es bei Tageslicht tun. Die meisten Schiffe sieht man per AIS auf der Karte, aber es gibt immer mal wieder ein Containerschiff das inkognito fährt und die Fischerboote haben sowieso ganz selten ihr AIS eingeschaltet. Nachts ist immer noch große Aufmerksamkeit angesagt, auch wenn nicht mehr ganz so viele Schiffe unterwegs sind, unser Adrenalinspiegel ist entsprechend hoch, wir schlafen nicht viel.


Brücke bei Hierado

Am nächsten Tag am frühen Nachmittags machen wir die Leinen fest im Yachthafen von Karatsu. Allerdings können wir an dem langen Steg nicht liegen bleiben, denn der gehört der Stadt oder der Präfektur, so genau verstehen wir das nicht. Auch nicht, weshalb wir da nicht bleiben können. Die Marina hat leider nur kurze Stege, da passen wir mit der Muktuk beim besten Willen nicht hin. Die Marina-Leute telefonieren mehrmals vergeblich mit den Behörden, aber da will niemand die Zustimmung geben. Vom Fischereihafen gegenüber haben wir keine genauen Karten, so dass wir lieber das Hochwasser am nächsten Morgen abwarten wollen, um zu verlegen. Wir fragen, ob wir wenigstens die eine Nacht bleiben können. Der etwas Englisch sprechende Angestellte der Marina lächelt und sagt ja, „but I don’t care!“, damit hat er sich der Verantwortung entledigt und ist wieder guter Dinge.

Am nächsten Morgen finden wir im Fischereihafen tatsächlich einen unbenutzt aussehenden Schwimmsteg, wo wir die nächsten Tage liegen bleiben können.

Karatsu ist ein in Japan bekannter Ort für Keramik. Auch hier spricht man davon, dass im 16. Jahrhundert Keramikmeister von der koreanischen Halbinsel hierher kamen und sich hier ansiedelten. Unter dem Begriff Karatsu-Keramik versammeln sich viele verschiedene Formen und Farben, von dunkleren erdigen Tönen, schwarzen Schalen bis zu hellblauen oder hellgrauen Teetassen, Flaschen und Tassen für Saké und blauschwarzen Vasen ist alles zu finden. Das Spektrum ist groß und daher auch so interessant und abwechslungsreich. Mit einem Stadtplan in der Hand, auf dem die Töpfereien und Galerien verzeichnet sind, machen wir uns auf den Weg.

Gleich am Bahnhof befindet sich eine Verkaufsausstellung des Keramikerverbandes, in dem so ziemlich jede Töpferei mit Stücken vertreten ist und wo wir schon einmal einen ersten Eindruck von der Vielfalt bekommen, und auch von der großen Bandbreite der Preise (von umgerechnet 4 Euro bis zu 25.000 Euro!).

Ein paar Straßen weiter weg befindet sich ein historischer Brennofen mit vier Kammern, heute ganz mit Gras überwachsen, er gehörte zur Werkstatt von Nakazato Taroemon, der sich große Verdienste erworben hat, um die Marke Karatsu-Keramik bekannt zu machen und auch, die Kenntnis um traditionelle Techniken, Formen und Farben weiter zu geben. Sein Haus ist zu einer Galerie umfunktioniert worden, es ist ein schönes dunkles Holzhaus in einem traditionellen Garten mit Koi-Karpfen-Teich. Vasen und Schalen des Meisters sind hier ausgestellt, sehr schön anzusehen, jedes Stück für sich ein kleines Vermögen wert.

In der Fußgängerzone dann reiht sich ein Laden, eine Galerie an die andere, die Keramik ausstellen und anbieten. Schon in der ersten können wir uns nicht satt sehen und können auch nicht zwei kleinen Teetassen widerstehen, wir kaufen sie. Sie werden immer als Paar angeboten, in Größe und Muster ein bisschen anders, gleich und doch unterscheidbar. So langsam bekommen wir einen Blick für die einzelnen Formen und Stile, überall finden wir neue schöne Stücke, manche können wir leider nur anschauen und bewundern, denn sie sind einfach unerschwinglich.


Handgewebte Tücher mit ähnlichem Motiv

Mittags setzen wir uns in ein Lokal, in dem es ganz verführerisch nach Gegrilltem riecht. Es gibt Aal, der mit allerlei leckeren Beilagen serviert wird. Dazu wird, wie immer in Japan, Grüntee ausgeschenkt. Hier in wunderhübschen weißen Porzellanschälchen mit blassblauem Rand. Andreas fragt die Bedienung, wo diese denn her sind, aber er versteht uns leider nicht recht. Also versuchen wir es nach dem Mittagessen im großen Laden mit Gebrauchskeramik und Porzellan nebenan und zeigen ein Foto vor. Es ist Porzellan aus Arita, einem Ort nicht weit von Karatsu. Aber genau diese haben sie leider nicht. Etwas später, nachdem der große Ansturm der Gäste vorbei ist, gehen wir nochmal zu dem Lokal. Die Inhaberin spricht etwas Englisch und sagt uns, dass sie diese Teetassen bereits vor längerer Zeit direkt in Arita gekauft habe. Wir fragen vorsichtig an, ob wir ihr vielleicht zwei Tassen abkaufen dürften. Oh nein, das auf keinen Fall! Aber: sie will sie uns schenken, denn die Stücke seien schon so alt und hätten schon so viele Gebrauchsspuren. Und schon sind zwei Tässchen eingepackt! Wir sind überwältigt von ihrer Großzügigkeit und bedanken uns überschwänglich!


(Tags darauf bringen wir ihr ein kleines Dankeschön mit.)

Zum Marketing der Karatsu-Keramik gehört auch, dass viele Cafés und Restaurants Essen und Getränke in der einheimischen Keramik servieren. So auch das Café, wo wir einen starken Espresso aus Keramiktassen trinken, bevor wir am Nachmittag weitere Läden mit Keramik anschauen.

Als wir gegen Abend zum Hafen zurück kommen, steht am Nachbarsteg ein kleiner Tankwagen. Er wartet auf ein Fischerboot, das betankt werden soll. Wir fragen ihn ob er genügend Sprit habe, um auch uns welchen zu geben. Ja, gerne! Nachdem das Fischerboot betankt ist, kommt er auf unseren Steg gefahren und füllt 300 Liter Diesel in unseren Tank. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass er nicht bar abrechnen kann. Deshalb geht der Sprit auf Kosten des Kontos des Fischerbootes und wir geben ihm das Geld. Alles nicht so einfach, aber mit ein bisschen Englisch und mit Hilfe des Handy-Übersetzers klappt die Kommunikation zur Zufriedenheit aller.

Am nächsten Tag ist Sonntag und viele Läden sind geschlossen, was zunächst sehr zur Schonung unseres Geldbeutels beiträgt. Wir gehen ins örtliche kleine Kunstmuseum, das ein paar sehr schöne Bildrollen ausstellt, natürlich auch Keramik, sowie Bilder des Künstlers Kawamura, der impressionistisch malte. Das Meisterwerk, ein Segelboot in der Abendsonne ist auch eines der schönsten Ausstellungsstücke des Museums. Zu unserer Überraschung entdecken wir einen ganzen Raum voller Bierkrüge – aus Deutschland! Die meisten von ihnen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Wir können nur vermuten, dass es sich um einen passionierten Sammler handelt, der um die Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert eine Reise durch Deutschland unternommen hat, denn die Erklärungen sind nur auf Japanisch.

Vom ersten Stock des Museums können wir in den Nachbargarten hinunter schauen und in das kleine ebenerdige Holzhaus, wo die Schiebetüren offen stehen und zwei Frauen an einem Tisch Kaffee trinken. Es sieht so gemütlich aus, dass wir beschließen, dort eine Pause einzulegen.

Der Garten ist schon ein Schmuckstück für sich, eine Komposition aus Kiefern, Blumen und Steinen. Das Café erst – so liebevoll eingerichtet und ganz im Zeichen der Kirschblüte dekoriert. Wir haben das Gefühl, in einem Wohnzimmer bei Freunden zu sitzen. Als wir Grüntee bestellen, stellt uns die Inhaberin viele Tassen auf den Tisch, wir dürfen uns aussuchen, aus welcher wir den Matcha-Tee trinken wollen. Natürlich die mit den angedeuteten Kirschblüten! Wir dürfen auch fotografieren und die junge Inhaberin freut sich sehr, dass wir ihre Einrichtung und ihre Blumenarrangements bewundern.

Zwei Freundinnen von ihr kommen ins Café und nachdem sie ihnen Eiskaffee serviert hat, stellt sie uns einfach so auch zwei Gläser davon auf unseren Tisch. Kalter Kaffee mit Eiswürfeln wird mindestens so gerne und oft getrunken wie heißer. Wir kommen alle miteinander ins Gespräch und wie immer, wenn wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen und mit dem Segelboot unterwegs sind, unsere Visitenkarte verschenken, wird vor Begeisterung in die Hände geklatscht. Zum Abschied dürfen wir uns noch aus einer Kiste mit hübschen Stäbchenbänkchen aus Keramik je eines als Geschenk aussuchen. Mal wieder reich beschenkt verabschieden wir uns fröhlich mit wiederholten gegenseitigen Verbeugungen.

Karatsu hat auch eines dieser Schlösser mit den geschwungenen Dächern, die wie eine Burg oben auf einem hohen Berg thront. Nur dass die japanischen Schlösser so viel zierlicher sind als die europäischen und auch so viel anfälliger für Feuer, da sie, außer den Fundamenten fast ganz aus Holz gebaut sind. Das Schloss von Karatsu wurde erstmals 1608 vom damaligen Fürsten gebaut und seither mehrfach renoviert und wieder aufgebaut. Darin gibt es auf mehreren Stockwerken Ausstellungen über die Geschichte der Clans und über das Kunsthandwerk der Region, die Papierherstellung und die Keramik. Wir bewundern u.a. ein paar schöne alte Schwerter, die die Samurai früher getragen haben.

Gerade stehen im Schlossgarten die Kirschbäume in der letzten Blüte und viele Familien und Gruppen von Freunden sind an diesem sonnigen Sonntag unterwegs, um ein letztes Mal in diesem Jahr Sakura zu feiern.

Anschließend schauen wir uns in einigen Galerien noch einmal die Vasen und Tassen an, die uns so gut gefallen haben und zuletzt stehen wir in dem großen Laden bei der Gebrauchskeramik vor den Regalen und suchen uns noch mehr schöne Stücke aus. Mit zwei Rucksäcken voller Keramik kehren wir zum Boot zurück. Nun brauchen wir wirklich einen stabilen Hartschalenkoffer, um alles heil im Flugzeug transportieren zu können.

Onsen

Muktuk hat ja keine Dusche unter Deck. Wir haben im Cockpit eine kleine abnehmbare Fußpumpe, mit der wir auch mal mit angewärmten Wasser duschen können, aber in den letzten fünf Jahren haben wir doch meistens das Bad im Meer oder die Kübeldusche auf dem Fischbrett zur Reinigung benutzt, auch wenn die Temperaturen manchmal etwas Überwindung gekostet haben.

In Japan allerdings sind wir nicht nur zu bekennenden Warmduschern, sondern zu regelmäßigen Onsen-Benutzern geworden. Japan ist ja bekannt für seine Badekultur. Schon zu Zeiten, als in Europa das Baden verpönt war (zweimal im Leben reichte: bei der Taufe und als Totenwäsche) und jeder wusste, dass Eintauchen in heißem Wasser alle möglichen Krankheiten verursacht, war das tägliche Bad für Japaner eine Selbstverständlichkeit.

Öffentliche Bäder – onsen genannt – gibt es daher in fast jeder Ortschaft. Und wir versuchen, alle paar Tage auch eines zu besuchen, denn es ist einfach herrlich, nach einer knappen Stunde sauber, warm und entspannt wieder herauszukommen. Die Etikette ist dabei mittlerweile auch Ausländern bekannt: erst setzt man sich auf ein kleines Schemelchen vor einen Wasserhahn, füllt eine Schüssel mit warmen Wasser und schüttet sie sich über Kopf und Körper. Mit einem Waschlappen seift man sich gründlich ein, überschüttet sich wieder mit Wasser und wiederholt diese Prozedur bis man gründlich sauber ist. Erst dann – blitzsauber und seifenfrei – darf man in die heiße Wanne, die man sich mit allen anderen Badegästen teilt.

Trotz mittlerweile zwei Monate langer Übung können wir mit den Japanern allerdings nicht mithalten. Die Leidenschaft, mit der sie sich einseifen, ist unglaublich. Nicht selten sitzen sie schaumbedeckt auf ihrem Schemel, wenn wir das Bad betreten, und wenn wir nach einer knappen Stunde wieder herausgehen, sitzen sie da immer noch und seifen sich ein. Rasieren kann man sich dabei natürlich auch noch.

Fast immer sind die Bäder nach Männern und Frauen getrennt. Es gibt sie von nobel mit Seeblick bis heruntergekommen mit abblätterndem Putz, von hallenbadähnlichen Großanlagen bis zu kleinen sento, d.h. Becken, die mit drei Gästen schon voll sind. Das kleinste konnten Birgit und ich gemeinsam nutzen, denn wir hatten es für uns alleine. Es lag im Nebengebäude eines Restaurants und war für dort essende Gäste umsonst. Sehr nett.

Das große Problem wird für uns sein, uns die Bäder wieder abzugewöhnen, wenn wir Japan in ein paar Wochen verlassen und uns in Richtung Alaska aufmachen. Kalte Kübeldusche statt heißes Wannenbad? Brrrrrrr. Vor ein paar Tagen haben wir einen „Toys’R’Us“ besucht und dort ein aufblasbares Kinderplanschbecken gekauft, das in der Messe zwischen Niedergang und Tisch gerade so hereinpasst. Wenn dann der Holzofen bullert und wir dort einen Topf Seewasser heiß machen, können wir uns da vielleicht hineinsetzen und uns zumindest onsen-mäßig mit heißem Wasser übergießen. Mal sehen, ob sich das bewährt.

Nagasaki

26. März – 04. April 2019

Obwohl die Stadt mit über vierhunderttausend Einwohnern sich auf ein paar enge Täler und die umliegenden Hügel verteilt, wirkt sie überhaupt nicht beengt und hektisch. Im Gegenteil, in den Bussen wird nicht gedrängelt, die kleinen Trams zuckeln in gemächlichem Tempo dahin und auch dort, wo sich die Touristen zu den Sehenswürdigkeiten einfinden, ist es nicht überfüllt.

Ein bisschen Respekt hatte ich schon vor dem Besuch dieser Stadt – denn bei Nagasaki denkt man sofort unweigerlich an die Atombombe, die hier am Ende des Zweiten Weltkrieges abgeworfen wurde. Würde sie sich sehr von anderen Städten Japans unterscheiden? Aber von all dem menschlichen Leid und den Verwüstungen ist heute nichts mehr zu sehen, fast alles ist wieder aufgebaut worden und die Stadt besitzt eine ähnliche Mischung wie andere japanische Städte, mit alten und neuen Häusern und Tempelanlagen dazwischen. Wie es den Menschen geht, die diese Katastrophe überlebten und Stadt wieder aufbauten und auch den nachfolgenden Generationen, das können wir als kurzfristige Besucher nicht einschätzen.
Nur am „ground zero“, wo in einer Höhe von etwa 500m die Atombombe explodierte, ist eine schwarze Stele als Mahnmal aufgestellt und ein Friedenspark drum herum angelegt worden. Die Kirschbäume haben schon die ersten Blüten geöffnet. Alles wirkt so friedlich und ruhig.
Ein paar Schritte weiter den Berg hoch befindet sich das Atombomben-Museum. Fotos von der Zerstörung, Überreste aus den Trümmern sind ausgestellt, ein Modell der Stadt ist aufgebaut, wo die Explosion und der anschließende Feuersturm in einer Simulation vorgeführt werden. Die umliegenden Berge wirkten zwar dämpfend, die Wucht der Druckwelle kanalisierte sich in den dicht besiedelten Tälern umso mehr. Das Museum dokumentiert aber auch die Geschichte der Atombombe nach 1945 bis heute und ist ein einziges starkes Plädoyer für Abrüstung und die Vernichtung dieser Waffen.

Ein kleines Mädchen aus Hiroshima, das infolge der Strahlen der Atombombe an Leukämie erkrankt war, glaubte fest daran, wenn es 1000 Kraniche falten würde, könnte es wieder gesund werden. Papierkraniche, als Symbol des Friedens, werden inzwischen von Kindern aus Japan und aus der ganzen Welt gefaltet und nach Hiroshima und Nagasaki geschickt.

Nagasaki als Hafenstadt war schon immer traditionell allem Neuen gegenüber offen. Auch während der Edo-Zeit, als sich Japan komplett abschottete, gab es hier eine Handelsstation mit ganz eigenen Regeln, besser bekannt unter dem Namen Dejima. Es ist eine von einheimischen Kaufleuten aufgeschüttete Halbinsel in der Bucht von Nagasaki, wohin die in der Stadt verstreuten Ausländer, die „Nambanjin“, Missionare und Kaufleute zusammengeführt wurden und ab 1641/42 auch die Niederländische Handelsstation angesiedelt wurde, die vorher etwas weiter nordöstlich auf der Insel Hirado lag. Ausländer durften das Stadtgebiet in den Jahrhunderten der Isolation nicht betreten, sie durften sich nur auf dieser kleinen Insel auf recht engem Raum aufhalten. Durch dieses enge Nadelöhr gelangte trotz der vielen Einschränkungen viel von europäischen Gütern und auch Wissen nach Japan und umgekehrt wurde japanisches Kunsthandwerk und mehr nach Europa gebracht. Auch später, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich Japan wieder öffnete, war Nagasaki die Stadt, von wo aus junge Männer zum Studium nach Europa aufbrachen.
Die ganze Anlage ist in den letzten Jahrzehnten liebevoll Haus um Haus neu aufgebaut worden, teilweise unter Anwendung traditioneller Materialien und sie ist inzwischen ein Publikumsmagnet nicht nur für ausländische Touristen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich den Roman von David Mitchell: Die tausend Herbste des Jacob de Zoet vornehmen, der am Ende des 18. Jahrhundert in Dejima spielt und ein recht gutes Bild der damaligen Zeit zeichnet.

Nagasaki ist auch die Stadt der Tempel. Der größte ist auch zugleich der älteste buddhistische Zen-Tempel der Stadt, Sofuku-ji von den chinesischen Einwanderern 1629 gebaut. Eine große Anlage ist es, mit Hauptgebäude, einem großen Vorplatz, Nebengebäude und Garten, die eine sehr schöne ruhige Atmosphäre ausstrahlt.

Von hier aus reiht sich die Straße hoch ein Tempel an den anderen und dahinter befinden sich große steinerne Friedhöfe. Ein starker Kontrast zu den modernen Wohnblocks in unmittelbarer Nachbarschaft.

Und Nagasaki ist auch eine Stadt der Brücken, über den schmalen Fluss spannen sich viele ganz unterschiedliche Steinbrücken, die schönste davon und auch die am meisten fotografierte ist die sogenannte „Brillenbrücke“.

Unweit davon kommt man zu dem Einkaufsviertel der Stadt – große überdachte Einkaufspassagen und enge Straßen mit Kopfsteinpflaster und vielen kleinen Boutiquen und Restaurants in einstöckigen Häuschen. Es gibt hier so viele schöne Sachen zu entdecken.

Vorher aber, direkt in der Straße am Ufer des Flusses, kommen wir an einem Laden vorbei, der wie ein permanenter Flohmarkt wirkt. Hauptsächlich Keramik stapelt sich übereinander, ein unglaubliches Durcheinander und Chaos herrscht hier und es besteht ständig die Gefahr, die Türme zum wackeln zu bringen, sobald man etwas tiefer nach Sachen sucht. Ein Gang ist so vollgestellt, dass man schon gar nicht mehr durch kann. Der Besitzer hat im hinteren Teil des Ladens eine Küche, sitzt dort auf dem Boden in eine große wattierte Decke gehüllt und lässt sich nicht stören, während er seine Schale mit Sushi isst. Irgendwann müssen wir ihn aber doch fragen, was die Sachen kosten, die uns so gut gefallen und die wir Stück für Stück zusammen tragen. Schwer beladen mit viel Gebrauchskeramik und einer alten Bildrolle geht es an diesem Tag zurück zum Boot. Doch das Samurai-Schwert geht Andreas nicht aus dem Kopf, am nächsten Tag gehen wir noch einmal dorthin und dieses Mal kauft Andreas es auch, muss es allerdings den ganzen Tag über durch die Stadt mit herum tragen und wird oft darauf angesprochen.

Da die Winde immer noch aus Nord blasen, können wir nicht weiter die Küste von Kyushu hoch und nutzen die Zeit für Wäsche waschen, Proviantieren. Und für tägliche Fahrten nach Nagasaki, mit dem Bus ist es so einfach und bequem. Andreas findet einen Go-Club, setzt sich einen Nachmittag lang zu den Herren und spielt sogar eine Partie Go mit einem 3-Dan-Spieler, der ihn, ich zitiere: „komplett vom Brett gefegt hat“.

Die Kirschblüte in dieser Region ist nun auf ihrem Höhepunkt angelangt und wir suchen uns einen Park etwas außerhalb von Nagasaki, in Nagayo, in dem über 1000 Bäume blühen. Dieses Mal sind wir schon mittags da, junge Mütter sind unterwegs, ältere Damen sitzen in Gruppen zusammen, die Firmenfeiern sind für den Abend reserviert. Es ist ein Traum in Weiß und Rosa! Wir können uns immer noch nicht satt sehen an diesem herrlichen Schauspiel.

Nach elf Tagen am Steg wird die Muktuk ungeduldig, und wir auch. Der Wind passt, wir werfen die Leinen los und verabschieden uns von Mogi und Nagasaki, diesen beiden Ortschaften, wo wir uns so wohl gefühlt haben.

Fischereihafen Mogi

26. März – 04. April 2019

Eigentlich wollten wir direkt ins Stadtzentrum von Nagasaki, in die Dejima Marina, aber die Muktuk passt mit ihren 15m Länge einfach nicht an die kleinen Stege.
Also suchten wir auf der Karte und fanden einen Platz im Fischereihafen von Mogi, der besser nicht sein konnte. Wir durften am Steg der Personenfähre fest machen, auf der gegenüberliegenden Seite und während der ganzen 11 Tage, die wir da blieben, fragte man uns weder nach Papieren noch nach Liegegebühren. Im Gegenteil, wir wurden täglich von der Besatzung der Fähre herzlich begrüßt und von den Passagieren und den Hobby-Anglern im Hafen neugierig beobachtet und befragt.

Mogi liegt nur 10km weit weg von Nagasaki und mit dem Bus ist man innerhalb von 15min im Zentrum der großen Stadt. Mogi hat einen typischen dörflichen Charakter und das, was in Reiseführern oft als verborgenen Charme bezeichnet wird. Um den zu entdecken, muss man eine Weile im Ort bleiben.
Ein kleiner Fluss trennt das Dorf in zwei Hälften, vom Tal aus ziehen die Häuser und Straßen den Hügel hoch. Neben der großen Durchfahrtsstraße gibt es viele kleine Sträßchen, wo man teilweise nur zu Fuß durchkommt und beim Vorbeigehen den Bewohnern fast schon in die Küche schauen kann.

Alles Nötige und mehr gibt es in Mogi, mehrere kleine Supermärkte, drei Friseure, sogar eine französische Boulangerie mit leckerem Baguette und anderem süßen und salzigen Hefegebäck, für mittags mehrere kleine Restaurants, für abends nur eines, das aber bietet sehr guten und frischen Fisch in Form von Sushi und Sashimi an. Und ein Onsen, ein öffentliches Bad, das wir alle zwei Tage aufsuchen und fast schon wie Stammgäste behandelt werden.
Die örtliche Spezialität sind kleine Kuchen gefüllt mit einer Art Marmelade aus den Früchten der japanischen Wollmispel. Zu dem Verkaufsladen im Ort kommen die Touristen extra angereist. Die Bäume, auf denen diese Früchte wachsen, tragen Tüten – die Früchte sind so wertvoll, dass sie vor gefräßigen Vögeln geschützt werden müssen.

Eines Tages gehen wir am Hafen entlang und sehen ein paar Säcke mit Holzabfällen in einer Ecke stehen. Unsicher, ob wir sie einfach so mitnehmen können, fragen wir in dem gegenüberliegenden Laden nach. Es ist, was man von außen wie so oft nicht erkennen kann, ein winzig kleines Café, in dem es verführerisch nach frisch geröstetem und gemahlenem Kaffee duftet. Gerade mal zwei Tische passen rein. Wir setzen uns, bestellen einen Kaffee und unterhalten uns mit der Inhaberin und dem Gast am Nachbartisch, der recht passabel Englisch spricht. Sein Name ist Osami Nakamura und er lädt uns ein, am nächsten Tag den örtlichen Tempel zu besuchen, seinen Tempel, wie er meint. Der Tempel bzw. die Gemeinde gibt es seit dem Jahr 1626, aber da er aus Holz ist, muss er immer mal wieder neu gebaut werden – der aktuelle wurde vor gerade mal zwei Jahren eingeweiht. Nun ist das Eingangstor dran, es ist eingerüstet und es wird jeden Tag, auch am Sonntag, emsig daran geschraubt und gesägt. Das frische Holz riecht herrlich nach Zeder und einer anderen, uns leider nicht bekannten Art (die Säcke mit den Abfällen stammen von diesen Bauarbeiten und die nächsten Tage, als es draußen kalt geworden ist, riecht es auch auf der Muktuk genauso würzig).
Es stellt sich heraus, dass Osami-San einer der sieben Vorstände des Geyokutai-Tempels ist und bei der Planung des neuen Gebäudes intensiv mit gearbeitet hat. Vom alten Tempel sind nur noch die Holzskulpturen der Löwen an den Eckpfeilern übrig geblieben und das Bild an der Stirnseite. Alles andere ist modern und neu. Jeder der Räume, ob der große für Versammlungen der Gemeinde oder die kleineren für den Empfang von Gästen wie uns, hat seine eigene schlichte und schöne Ausführung.

Zwei kleine Gärten befinden sich mitten drin, einen davon hat Osami-San selbst gestaltet, die Steine und Pflanzen bilden das Schriftzeichen für „Herz“, erklärt er uns.
Wir werden nach der Führung in einen kleinen Raum gebeten, wo zum Grüntee eingeladen, den wir mit Blick auf den kleinen japanischen Garten trinken.

In den Raum mit dem Altar und den Klangschalen können wir heute nur durch die Scheiben rein schauen, denn es findet gerade eine Gedenkfeier statt zum einjährigen Todestag eines Verwandten.
Später kommt Osami-San zu uns an Bord zum Kaffeetrinken und bringt seinen Freund mit, ein Tierarzt im Ruhestand, der jetzt eine Farm betreibt und als Gastgeschenk aus seinem Garten Orangenmandarinen dabei hat, zusätzlich zu einem riesigen Laib Toastbrot von der französischen Bäckerei! Als er hört, dass wir noch nie frische Bambussprossen probiert haben, saust er noch einmal los, um welche zu holen. Die sind schon gekocht und müssen nur noch kurz angebraten werden, damit sie ihr köstlich nussiges Aroma entfalten.

Ein anderes Mal wartet ein Mann im Auto auf uns, als wir aus der Stadt zurück kommen. Er ist Hobbyfotograf und hat die Muktuk fotografiert, als wir in den Hafen reinfuhren. Er schenkt uns einen Abzug des Fotos im DINA4-Format und zeigt uns noch ein paar schöne Aufnahmen, die er z.B. von Raubvögeln im Flug gemacht hat.
Gleich gegenüber von unserem Fähranleger ist eine Halle in der nicht nur Fahrkarten verkauft werden, sondern auch frischer Fisch und zu Mittag auch Fischsuppe mit Nudeln und Beilagen. Und über die Straße hinweg steht drei Mal pro Woche ein Gemüsehändler mit seinem Wagen. Als ich dort am vorletzten Tag bereits am frühen Vormittag noch einmal einkaufen wollte, war er erst gerade dabei, die Waren auszupacken und Preisschilder zu schreiben. Der Wagen war aber schon umringt mit aufgeregt schwatzenden alten Damen, die schon eifrig Obst und Gemüse in Kartons und Taschen packten. Als ich mir auch einen Karton nahm, zeigte mir eine der Damen, dass es bereits eine Warteschlange gab, eine Reihe von Kartons, zu denen ich auch meinen legen konnte. Für diesen Hinweis war ich sehr dankbar, denn schnell kann man sich mit unbedachtem oder unbeabsichtigtem Vordrängeln als Ausländerin unbeliebt machen.
Es berührt uns sehr, wie freundlich wir doch immer wieder in diesem Land willkommen geheißen und wie zuvorkommend wir behandelt werden!

Blütenzauber

Es war ja schon fast kitschig. Aber nur fast. Die Kirschblüte (japanisch sakura) ist nämlich eine ernste Angelegenheit in Japan. Ab Anfang Januar gibt das staatliche meteorologische Institut erste Hochrechnungen heraus, wann in welchen Regionen mit dem Aufblühen der Kirschbäume zu rechnen ist. Neben der Vorhersage von Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Taifunen ist die Kirschblütenprognose eine wesentliche Aufgabe des Instituts.

Die Methodik wird ausführlich erläutert. Drei Kennzahlen (Erwachensindex, Wachstumsindex und Erblühungsindex) bilden die Basis für die quantitativen Vorhersagen für „Somei Yoshino“, eine speziell für die Blütenpracht gezüchtete Kirschsorte, die in Japan weit verbreitet ist.
Mit dem Näherrücken der Blütezeit gibt es dann tagesaktuelle Prognosen in Tageszeitungen, im Internet und als App („finde aufgeblühte Kirschbäume in Deiner Nähe“), zugrunde liegen dann offizielle Beobachtungsbäume an 58 Standorten in Japan. Das Voranschreiten der sakura zenzen, der Kirschblütenfront quer durch Japan von Südwest nach Nordost, wird aufmerksam verfolgt.

Und warum das Ganze? Weil hanami, das Feiern und Picknicken unter blühenden Bäumen, eine weit über tausendjährige Tradition in Japan hat. Man packt eine Decke, eine ausreichende Menge an Sake und ggf. etwas zu essen ein, sucht sich einen Park mit blühenden Kirschbäumen aus und feiert.

Und so haben wir das natürlich auch gemacht. Wetter und Timing haben gut zusammengespielt, so dass unsere hanami-Premiere auf Birgits Geburtstag fiel. Wir sind zum Tateyama Park gewandert, der auf einem Hügel mit Blick auf Nagasaki liegt und 700 Kirschbäume in fast schon voller Blütenpracht zu bieten hat. Schon als wir am Nachmittag ankamen, gab es überall kleine Gruppen, meist Familien mit Kindern auf Decken auf dem Rasen. Als es dunkel wurde, beleuchteten Hunderte von rosafarbenen Laternen die blühenden Bäume, die Kindergruppen gingen heim und die Freundes- und Firmenpartys übernahmen das Geschehen. Sake- und Geräuschpegel stiegen an, eine herrlich ausgelassene Atmosphäre.

Neben uns lagerte eine ganz professionelle Gruppe junger Leute, die auf ihrer Decke (die natürlich ganz japanisch nur mit Socken betreten wird, die Schuhe stehen am Rand davor) mehrere Kochstellen errichteten und darauf Reis und Eintopf kochten, mit verführerischen Gerüchen. Auch wir bekamen ein Schälchen Eintopf angeboten und alle lachten, als wir uns bedankten und unser japanisches Wort für „lecker“ anbrachten: oishi desu.

Das Kirschblüten hanami kommt jedenfalls definitiv auf die Liste der Dinge, die wir gerne aus Japan in unser Alltagsleben mitnehmen würden.

Doch irgendwann sind die Kirschen verblüht. Der Somei Yoshino trägt keine nennenswerten Früchte. Die Mischung aus Schönheit und Vergänglichkeit ist typisch für die japanische Ästhetik. Oder wie es Henry, der Hafenmeister aus Yonabaru, beschrieb: „Wenn die Blütenblätter herabrieseln, dann sitzen wir unter dem Kirschbaum, trinken Sake und weinen“.

Amakusa-jima

Die Insel Amakusa ist weder in den Reiseführern beschrieben noch in den Blogs der Japan-Segler zu finden. Wir sind einfach durch Zufall darauf gestoßen, dass diese Insel für ihr weißes Porzellan berühmt ist. Von China über Korea kam das Wissen über diese Kunst nach Japan und nachdem man auf Amakusa auch die richtigen Zutaten in der Erde fand, entstanden hier bereits vor mehr als vierhundert Jahren mehrere Töpfereien.

Da wir beide uns sehr gerne schöne Keramik anschauen und diese Insel sowieso auf dem Weg liegt, wollen wir dort vorbei schauen. In zwei Tagesetappen sollten wir dort sein.
Am 24. März in der Früh machen wir die Leinen los vom Hotelsteg in unserem Fischerdörfchen, es ist ein sonniger und windstiller Tag, wir müssen die ganze Strecke bis zur nächsten Insel Kami Kochiki durch tuckern. Wir kommen gerade bei Niedrigwasser an und die Kaimauern im Hafen von Sato sehen unüberwindlich aus, 2-3 Meter kann ich unmöglich mit den Leinen hoch springen, Leitern gibt es auch keine, da wo man anlegen könnte. Also beschließen wir, im Hafenbecken zu ankern, es ist genug Platz da.

Am nächsten Tag gehen wir schon um 6.00h morgens Anker auf und tuckern weiter. Vier Stunden später geht unterwegs auf einmal der Motoralarm los, das Kühlwasser läuft nicht mehr richtig durch. Ein Blick in den Kielkasten zeigt: beim Zulauf schwimmt störrisches Seegras, das haben wir wohl in Teilen mit eingesaugt. Andreas bekommt mit Hilfe des Bootshakens einen Teil der Pflanzen raus, den Rest müssen wir von Innen mit einer Luftpumpe raus pusten. Zwei Mal lassen wir den Motor an, zwei Mal holen wir aus dem Filter weitere Pflanzenteile raus, bis das Kühlwasser endlich wieder in der gewünschten Geschwindigkeit durch fließen kann. Wie gut, dass es den Impeller dabei nicht zerlegt hat.

Trotz dieser Unterbrechung kommen wir schon gegen 15.00 Uhr auf der Insel Amakusa an und werfen den Anker in der Bucht vor dem Ort Takahama. In den kleinen Fischereihafen können wir leider nicht rein, er ist nicht tief genug für die Muktuk. Es regnet und ist recht unfreundlich, aber wir wollen trotzdem an Land. Gut eingepackt in Regenzeug stiefeln wir durch den Ort. Er hat auch bei diesem Wetter seinen eigenen Charme, viele schöne Holzhäuser, und schon die erste Brücke ist mit einer weiß-blauen Porzellanvase geschmückt.

In einer Seitenstraße entdecken wir einen Tempel, gehen die Treppen hoch und schauen durch die Fenster rein. Da kommt auch schon der Mönch und öffnet die Schiebetüren. Sichtlich erfreut über diesen seltenen Besuch bittet er uns, herein zu kommen, eine Einladung, die wir sehr gerne annehmen. Es ist ein schöner eindrucksvoller Raum mit Tatami-Matten ausgelegt, zwei Reihen mit niedrigen Bänken stehen vor dem großen Altar, eine reichlich verzierte Lampe hängt von der Decke. Mit Hilfe unseres Handys können wir uns ein bisschen verständigen und der Mönch führt uns zum Schluss noch ein Gebet vor mit Gesang, Klangschalen und Trommel. Wir sind sehr beeindruckt und berührt.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne, wir stehen sehr früh auf und gehen noch einmal in den Ort, dieses Mal zur Töpferei Juhougama. Der Laden hat eine große Auswahl an Porzellanwaren – Teller, Tassen, Vasen, sogar Ingwer-Reiben. So viele schöne Stücke, am liebsten würde ich einen ganzen Korb voll füllen und mitnehmen. Das Museum nebenan hat zahlreiche alte Keramiken ausgestellt, viele mit dem traditionellen Motiv einer stilisierten Seegras-Blume versehen. Dieses Motiv wird neben anderen auch heute noch von dieser Töpferei verwendet.


Traditionelles Motiv


Teeschale mit Gebrauchsspuren im Museum


Der Garten des Museums


Vasen im Laden


Ingwer-Reiben

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch zu einen anderen Ort auf der Insel fahren und dort weitere Töpfereien besuchen, aber das Wetter spielt leider nicht mit, eine Winddrehung ist vorhergesagt. Wir beeilen uns, um rechtzeitig wieder an Bord zu kommen. Der Wind weht schon in die Bucht rein und die Muktuk tanzt schon ganz ordentlich in der Welle, wir schaffen es gerade noch so, an Bord zu gehen. Schnell holen wir das Dinghi an Deck und gehen Anker auf. Nächstes Ziel – Nagasaki!

Von Okinawa nach Kagoshima


14. – 24. März 2019

Das Wetter hält, was es verspricht und nach fast genau 36 Stunden sind wir von Okinawa mit nur einer Nachtfahrt auf der Insel Amami angekommen. Im Süden der Insel gibt es einen Kanal der die Hauptinsel von einer kleinen Inselgruppe trennt. Wir tuckern da durch, viele kleine Fischerboote sind unterwegs, Personenfähren kreuzen unseren Weg. Im Kanal pfeift der Wind ganz ordentlich und es regnet dazu noch. Wir biegen in eine der vielen kleinen Buchten ab und machen an einer Boje in einer ganz gut geschützten Ecke fest und auf einmal sind die Wolken und der Regen weg, die Sonne kommt heraus.

Mit einer Tasse Kaffee in der Hand sitzen wir in der Sonne an Deck, wenig später, um 17.00 erklingt aus den Lautsprechern vom Land her eine schöne Musik. So werden die Anlangen wohl täglich getestet, die im Ernstfall vor Erdbeben und Tsunamis warnen sollen. Aber auch morgens um sieben Uhr erklingt Musik und auch die eine oder andere Durchsage auf Japanisch hören wir tagsüber und wüssten gerne, was sie uns mitteilen möchten.

Vier Tage bleiben wir hier und warten auf das nächste Wetterfenster. Andreas repariert zum wiederholten Mal den Motor des Bugstrahlruders und versucht, ein paar Fische zu angeln. Vor uns liegt ein Dörfchen, mit einem schmalen Fluss und Fußgängerbrücken darüber. Auf den ersten Blick wirkt es wie ausgestorben, aber es leben doch einige Leute hier, viele haben kleine Gärten mit Zwiebeln, Kohl, Lauch und Möhren darin, dazu Obstgärten mit Orangen und Grapefruitbäumen. Und eine Wiese mit Ziegen, die ganz aufgeregt blöken, als wir vorbei kommen.

Wir spazieren auch mal bei Niedrigwasser am Ufer der Bucht entlang, über Felsen und Steine, ab und zu gibt es einen kleinen Sandstrand, und neben angeschwemmtem Holz finden wir hier auch viel anderes Strandgut, Plastik in allen Formen und Farben. Sogar noch mehr von den dicken großen Styropor-Fendern, wie wir einen aus dem Meer gefischt hatten.

Andreas tüftelt eine Route aus, bei der wir einen Bogen fahren und innerhalb von gut zwei Tagen zum Festland kommen können. Es klappt, der Wind hält sich in Geschwindigkeit und Richtung bis fast zuletzt an die Vorhersage und wir sausen bei 6-7 Bft und meist Halbwindkurs nur so dahin, es schüttelt uns nur am ersten Tag bei 3m Welle etwas durch.

Am 21. März nachmittags, erreichen wir endlich das Festland Japans und machen die Muktuk an einem Hotelsteg fest. In der südwestlichsten Ecke der Region von Kagoshima befindet sich in einem kleinen Fischerdorf namens Nomaike ein schönes modernes Hotel, das Kasasa Ebisu, das eben einen Steg für Segler bereit hält. Wir melden uns an der Rezeption an und freuen uns schon auf unseren ersten Besuch in einem Onsen, dem traditionellen japanischen Badehaus. (Dazu später mehr).

Danach feiern wir unsere Ankunft bei einem schönen Abendessen im Restaurant des Hotels mit einer großen Platte Sashimi, zu der es allerlei leckere Beilagen gibt, u.a. eine feine Misosuppe, eingelegtes Gemüse und alles wunderschön angerichtet. Wir bestellen dazu Shochu, eine Art Schnaps, der in dieser Gegend aus Süßkartoffeln gebraut wird. Wir lassen uns vom Kellner beraten, welche der vielen Sorten auf der Speisekarte am besten schmeckt und wie man ihn am besten trinkt: nämlich verdünnt mit heißem Wasser aus der Thermoskanne. Er freut sich sichtlich, dass wir alles so genießen und bringt uns zwischendurch ungefragt noch je ein Gläschen Sake und zuletzt noch ein Glas Bier. Wie gut, dass wir nach so viel Hochprozentigem nur einen kurzen „Heimweg“ haben.

Am nächsten Tag laufen wir durch den Ort, dessen Häuser sich im Wesentlichen um das große Hafenbecken entlang gruppieren. In einer Ecke werden große Wellenbrecher aus Beton in Formen gegossen, eine weitere Schutzmauer gegen die Wellen wird gerade gebaut um die Fisch- bzw. Muschelfarmen zu schützen. In einer Halle am Ufer stehen ein paar Fischer und unterhalten sich, gegenüber befindet sich der kleine Supermarkt. Wir gehen weiter, auch hier sind überall Frühlingsblumen zu sehen und viele kleine Gärten mit Gemüse. Wir sind auf der Suche nach einer Tankstelle, die es hier am Hafen irgendwo geben soll. Ein paar Tanks sehen wir, aber niemand ist da. Aber ein paar hundert Meter weiter, in dem Büro der Fischfarm, sitzen vier junge Männer. Wir klopfen an und fragen, ob einer von ihnen vielleicht Englisch spricht und wo man Diesel bekommen könnte. Mit Hilfe der Mobiltelefone bzw. der Übersetzungs-Apps können wir uns verständigen – einer der jungen Männer hängt sich ans Telefon und organisiert alles. Zwei Stunden später kommt ein kleiner Tankwagen zum Hotelsteg angefahren, einer der jungen Männer kommt mit dem Motorboot angesaust und beide helfen uns, Diesel in Kanistern zum Boot zu bringen.

Wir entschließen uns, am nächsten Tag doch nach Kagoshima Stadt zu fahren, auch wenn es mit dem Bus mit einmal Umsteigen drei Stunden lang dauert, nur die einfache Fahrt gerechnet. Auf der Strecke an der Küste entlang haben wir atemberaubende Aussichten auf Felsen und Meer, und auch die Hügel im Landesinneren mit den blühenden Pflaumenbäumen, feine weiße Tupfer im frühlingshaften Grün, sind schön anzusehen.

Vom zentralen Busbahnhof in Kagoshima erreicht man einen schönen Park am Fluss, wo man an Schautafeln und Skulpturen entlang gehen und über die Geschichte der Samurai und ihre Ausbildung in speziellen Schulen einiges lernen kann. Die berühmtesten Samurais werden auch heute noch verehrt. Wir kommen zum Museum der Meiji-Restauration und gerade rechtzeitig zu einer Multimedia-Show, die über die Kriegswirren ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Ende der Edo-Zeit und Beginn der Meiji-Ära berichtet, als Japan sich nach 250jähriger Isolation wieder der Welt öffnete. Wir können die Handlung mit Kopfhörern zwar auf Englisch mit verfolgen, aber wir blicken trotzdem nicht ganz durch, denn die vielen Samurai, Fürsten und ihre Ratgeber, mal als Verbündete, dann wieder als Gegenspieler sind uns alle unbekannt. Wir bräuchten mehr Hintergrundwissen zur Geschichte Japans. Wir verstehen, dass es ziemlich kompliziert war und nicht einfach für die Befürworter der Vereinigung und Öffnung Japans sich gegen die Traditionalisten durchzusetzen.

Uns bleibt noch Zeit, durch die Stadt zu laufen, in einem Nudellokal zu Mittag zu essen, in der Einkaufspassage in ein paar Schaufenster zu schauen und am Fluss in der Sonne einen Kaffee zu genießen, bevor wir den letzten Bus zurück zu unserem Fischerdörfchen nehmen. Und wir kommen rechtzeitig zurück, um uns noch einmal im Onsen des Hotels richtig aufzuwärmen.


Der aktive Vulkan Sakurajima gegenüber der Stadt

Semiotische Verwirrungen

Eines der Probleme für uns in Japan ist die hartnäckige Verwendung des Japanischen durch die heimische Bevölkerung. Und das gleich auf drei Ebenen.

Als erstes wäre da die gesprochene Sprache. Bisher haben wir wirklich kaum Japaner getroffen, die auch nur minimale Englischkenntnisse haben (oder zugeben würden). Wir mit unserer Handvoll Brocken auf Japanisch (hallo, bitte, danke, wo ist, gibt es, ich möchte, ja, nein, lecker, ich spreche kein Japanisch) kommen auch nur in sehr einfachen Gesprächssituationen klar, allerdings meist zur Erheiterung der Japaner. Was oft weiterhilft, ist der Google Übersetzer auf dem Smartphone, der einfache Unterhaltungen hin und her dolmetscht. Toll, diese Technik.

Als zweites die Schrift. Um die Sache möglichst unübersichtlich zu machen, verwenden die Japaner ja nicht nur ein unlesbares Alphabet, sondern gleich drei davon (Hiragana, Katakana und Kanji). Keines davon können wir auch nur ansatzweise entziffern, und so bleiben Busfahrpläne, Beschriftungen und Speisekarten meist unverständlich. Hier kommt uns ebenfalls die Technik im Smartphone zu Hilfe, denn Google übersetzt auch den mit der Kamera aufgenommenen japanischen Text. Bei handgeschriebenen Zeichen oder stylischen Schriftarten scheitert das Programm allerdings.

Im Falle der Speisekarten gibt es weitere Hilfsmittel. Zwar versucht man ja normalerweise aus kulinarischen Gründen Lokale zu vermeiden, die Fotos ihrer Gerichte auf den Speisekarten abdrucken, in Japan ist das aber nichts Ehrenrühriges und wir nehmen die Hilfestellung für Analphabeten gerne an. Es geht aber noch besser: Japan ist absoluter Weltmeister in der Disziplin Plastikessen. Es gibt hier Firmen, die Speisen derart täuschend echt in Kunststoff nachbilden können, dass man ihren Geruch schon vom Ansehen in der Nase hat. Diese Plastikversion der Gerichte wird im Schaufenster ausgestellt, und das durchaus nicht nur in billigen Touri-Fallen.

Es bleiben aber oft genug Restaurants übrig, wo es weder Bilder noch 3D-Drucke der Gerichte gibt und das Verhältnis von Bestellabsicht zu geliefertem Essen von Überraschungen geprägt ist. Macht auch nichts, wir lernen ja gerne Neues kennen.

Die dritte Ebene der mangelnden Orientierung ist etwas schwieriger zu beschreiben. Bewegt man sich in Deutschland durch eine Stadt, so kann man meist unmittelbar wahrnehmen, ob es sich bei einem Laden um einen Bäcker, einen Metzger oder ein Reisebüro handelt. Dafür muss man weder die Beschriftung des Geschäfts lesen noch den Inhalt des Schaufensters sehen. Allein die visuelle Signatur verrät einem: „so sieht ein Bäcker aus“. Dieser Referenzrahmen fehlt uns in Japan. Bäcker, Metzger und Reisebüros sehen hier so komplett anders aus, dass wir oft ein Geschäft erst betreten müssen, um festzustellen, worum es sich handelt (und selbst dann sind wir oft am Rätseln).

Es kommen freilich auch andere Interpretationsfehler dazu: Anfangs war ich überrascht, dass es so viele Schuster in Japan gibt. Irgendwann habe ich dann kapiert, dass die vielen Schuhe im Schaufenster nicht zum Verkauf stehen. Es kann z.B. ein Kindergarten oder ein Büro sein, wo man sich beim Betreten die Schuhe auszieht und diese in einem Regal abstellt. Eigentlich logisch.
Zum Abschluss noch ein kleines Quiz: Worum handelt es sich bei den folgenden Geschäften?

Auflösung (von oben nach unten): Friseur, Bekleidungsgeschäft, Tierklinik, Bäckerei

Der königliche Garten Shikina-En auf Okinawa

Zum Frühling in Okinawa gehören auch regnerische Tage mit viel Wind, an denen wir die Leinen verstärken müssen, Muktuk zieht und zerrt am Steg mit der Kraft ihrer 26t. Da blieben wir lieber im Boot und kümmerten uns um die Muktuk, hatten viel Zeit, um im Internet zu recherchieren, Bücher zu lesen und uns auszuruhen.

Doch mit dem ersten Sonnentag machten wir uns auf zu einem weiteren Ausflug mit den Fahrrädern. Dieses Mal zum Shikina-En Garten der Ryukyu-Könige, gegen Ende des 18. Jahrhunderts gebaut bzw. angelegt.

Shikina-En ist eine Art ganzjährliche Sommerresidenz der königlichen Familie gewesen, denn das Wetter in dieser subtropischen Gegend ist eigentlich immer sommerlich oder frühsommerlich warm. Ein zum Shuri-Palast vergleichsweise einfaches Haus ist umgeben von einem kunstvoll angelegten Garten von knapp 42.000 qm. Von der Hauptveranda des Hauses hat man einen wunderbaren Blick auf den Teich, über den zwei steinerne Brücken führen und einem kleinen Pavillon nebenbei. Eine grüne Lunge, die heute von Wohngebieten und Schnellstraßen eingefasst ist.

Der Garten diente früher zur Erholung der königlichen Familie, aber auch ausländische Gäste wurden gerne hierher eingeladen. Auf einer  Anhöhe am Rande des Parks steht ein kleiner Pavillon, der den Blick frei gibt auf die umliegenden Täler und Hügel. Ausnahmsweise ist kein Meer zu sehen. Zu diesem Aussichtspunkt wurden in den vergangenen Jahrhunderten bevorzugt Gäste aus China geführt, um ihnen zu zeigen, wie groß Okinawa sei, so weit das Auge reicht, nur Land und kein Meer!

Auch diese Anlage wurde während der Schlacht von Okinawa zerstört, konnte aber in den 1970er Jahren wieder aufgebaut werden. Heute gehört der Garten ebenfalls zum Weltkulturerbe.

Wir laufen den Garten ab, immer den Wegweisern nach, die uns damit auf einen schönen geschlängelten Rundgang führen. Wir dürfen im Haus alle Räume betreten, nachdem wir vorher die Schuhe an der Treppe ausgezogen haben und bewundern auch hier wieder die eigentümliche warme Ausstrahlung der Holzkonstruktion und die Schlichtheit und Schönheit der Innenräume.

Es ist eine Ruhe und Abgeschiedenheit in diesem Garten und im Haus, man fühlt sich ein bisschen wie aus dem Jahrhundert gefallen.

Doch auch damals wie heute muss man zwischendurch was essen, und so gehen wir anschließend zu einem kleinen Nudellokal, das wir unweit des Gartens entdeckt haben. Das Wetter ist zu schön, um drinnen zu sitzen.  Wir setzen uns raus an den Tisch, wo schon zwei Männer unter dem Sonnenschirm ihre Nudelsuppe löffeln. Sie lächeln uns freundlich zu und bevor sie gehen, will der Banknachbar von Andreas unbedingt noch ein Foto von mit ihm.


Ohaio! Eine Kindergartengruppe unterwegs, wir winkten uns begeistert zu!

Wir haben viele ähnliche Begegnungen mit freundlichen und neugierigen Menschen, trotz aller sprachlichen Hürden. So z.B. trafen wir an einem anderen Tag eine kleine zierliche ältere Dame, die uns spontan zu sich nach Hause auf einen Kaffee einlud, als sie hörte, dass wir noch nie Karaoke mitgemacht haben. (Für das Nachtleben in Yonabaru waren wir abends einfach zu müde!). Im Erdgeschoß ihres Hauses hat sie einen gemütlichen Raum eingerichtet, mit einer Bar, ein paar niedrigen Tischen und viel Krimskram vom Flohmarkt, das den heimeligen Eindruck nur noch verstärkt. Das modernste im Raum ist die Karaoke-Anlage, auf der sie uns ein paar japanische Schlager vorspielt und sie erzählt in recht gutem Englisch, (sie lebte 10 Jahre in den USA), dass sich meistens am Nachmittag eine Damengruppe hier trifft und viel Spaß am Singen hat.

Am übernächsten Tag in der Früh schauen wir uns, wie jeden Morgen, die Wettervorhersage an: dieses Mal scheint es tatsächlich ein kleines Wetterfenster von eineinhalb Tagen zu geben, wo wir ausnahmsweise keinen Nordwind zu erwarten haben. Also entscheiden wir uns, am nächsten Tag ganz in der Früh los zu segeln. Und so nutzen wir den letzten Tag in Okinawa, um noch einmal Wäsche zu waschen und Proviant einzukaufen, füllen den Kühlschrank und die Netze mit frischem Obst und Gemüse und gehen noch einmal ins Ricchu Café zum Mittagessen.


In diesem Häuschen befindet sich das Ricchu Café, ein kleines Wohnzimmer mit vier Tischen


Jeden Tag gibt es ein Menü, heute: Suppe, Huhn auf Salat, Gemüse und Reis, ein Algenpudding, Tomatenkompott mit Zimt und Zucker und als Nachtisch ein Kuchen mit einer Tasse Tee.

Am Nachmittag verabschieden uns ganz herzlich vom Hafenmeister und seinen Mitarbeitern. Viel zu früh oder viel zu spät ziehen wir los, je nachdem, wie man es sehen mag: ich habe schon wieder angefangen, Wurzeln zu schlagen. In jedem Gespräch mit Henry, dem Hafenmeister, sagte er mindestens einmal, wir sollten doch einfach die nächsten Monate hier bleiben, am besten ein Jahr lang, das Wetter und das Essen seien doch so gut und ich könnte Deutsch unterrichten, wenn ich wollte.

Zum Abschied sagt er uns noch „I will never forget you!“ – Ich werde mich immer an euch erinnern. Wir auch!

Auf dem Weg zum Königsgarten kamen wir auchStaatlichen Archiv vorbei, das eine schöne und informative Ausstellung zur Geschichte der Insel mit vielen interessanten Dokumenten präsentiert.


Die Unterschrift des Königs


Das Siegel von Ryukyu, auf einer Keramiktafel im Foyer